Ist – ist nicht – ist doch nicht – was ist? (2)


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Guide:
Teil 0:  Gott oder die Quantenfluktuation
Teil 1:  Sinn des Lebens – der universale Gott
Teil 2: Der allmächtige Gott

2) Der allmächtige Gott:
Viele Menschen geben sich mit Gott als großem „Weltengeist“ zufrieden, andere verlangen bzw. erwarten: „Gott ist allmächtig.“
 Kriegt er aber Probleme der Herrgott – und die sind schon 2300 Jahre alt.

Der vielleicht älteste Nexel der Menschheit 
(Nexel = Makrological; ein Wortspiel, das algorithmische Elemente verwendet; z.B. Rekursion, Anagramme etc.)  stammt vom Griechen Epikur – etwa 300 v. Chr. – und beschäftigt sich mit Frage, ob Gott allmächtig ist:

Entweder will Gott die Übel der Welt beseitigen und kann es nicht,
oder er kann es und will es nicht,
oder er kann es nicht und will es nicht,
oder er kann es und will es.

Wenn er nun will und nicht kann, so ist er schwach, was auf Gott nicht zutrifft.
Wenn er kann und nicht will, dann ist er mißgünstig, was ebenfalls Gott fremd ist.
Wenn er nicht will und nicht kann, dann ist er sowohl mißgünstig als auch schwach
 und dann auch nicht Gott.

Wenn er aber will und kann, was allein sich für Gott ziemt,
woher kommen dann die Übel,
 und warum nimmt er sie nicht weg?

Epikur, wurde in ein Land und eine Zeit hineingeboren (Griechenland 3. Jh. v. Chr.), die schon seit mehreren Jahrunderten die Seelenwanderung (aner)kannte, und in der vor allem die Vielgötterei dominant war. So überrascht obige Aussage Epikurs schon, denn er redet hier nicht von irgendeinem Gott, auch nicht von einem Obergott wie Zeus etwa, er spricht offensichtlich „nur“ von einem einzigen Gott. Mehr noch; er benennt auch genau die Eigenschaften, die Gott gefälligst zu haben hat, damit Gott auch das Recht hat Gott zu sein.
Dumm nur, dass damit auch die Allmacht Gottes kippt. Denn ein Gott, dessen einzige Aufgabe drin bestünde nett zu sein, insbesondere auch noch zu den Menschen, der beraubt sich der teuflischen Macht und ist damit nicht allmächtig. Wahrscheinlicher ist aber: Epikurs Denkansatz ist untauglich. Ich konstruiere mir einen Widerspruch und beschwere mich dann lautstark darüber. Kommt ein Kreter nach Athen und sagt: „Alle Kreter sind Lügner“ – wenn Ihnen an diesem Satz nichts aufällt, sollten Sie jetzt nicht weiterlesen.

Gehen wir die Sache mit – ist Gott allmächtig – einmal anders an und fragen ob das Universum allmächtig ist. Ein rasches „Nein“ wäre falsch.
 Ich kann zwar jetzt die Treppe hinuntergehen und mich schlafenlegen, aber ich kann nicht wissen ob das Universum bis morgen früh mir bereits einen Strich durch die Rechnung macht und ich mich in atomisierter Form wiederfinde.

Ok, guten Morgen; da bin ich wieder, aber wissen konnte ich das nicht – geglaubt habe ich es schon. Das Universum verfügt über Kräfte, die alle in der Lage sind unsere Pläne in Sekundenbruchteilen zunichte zu machen. Diese Kräfte sind sehr unterschiedlich und wirken sehr unterschiedlich. Der Druck, den sie dabei auf uns ausüben, kann einerseits ganz allgemein und überall sein, wie bei der Gravitation oder instantan und völlig spontan stattfinden wie bei Röntgen- oder Gammastrahlausbrüchen oder beim radioaktiven Zerfall. Wir sind also jederzeit und an jedem Ort in der Hand unseres Universums; wir sind ihm ausgeliefert!
 Auch wenn es so scheint, als ob das Universum bereits allmächtig ist, sollten wir Epikur ernst nehmen, wenn er kindlich verlangt – „Ich will alles und zwar sofort“. Lassen wir Gott für uns ein  Schlaraffenland basteln: Perfekt, Angst- Qual- und keimfrei, in dem immer die Sonne scheint und es wird sich ungeachtet dessen selbst zerstören, weil wir es nicht aushalten, dass wir permanent glücklich sein dürfen müssen. Immerwährendes Glück ist für Menschen langweilig. Wir leben lieber im Hier und Jetzt mit Widersprüchen, und verlangen gerne „Unmögliches“ – Ich will jetzt endlich im Lotto sechs Richtige haben und Millionen gewinnen, aber meinen Tippzettel fülle ich nicht aus. Punkt.

Was verlangen also die Menschen von einem allmächtigen Gott? Gott muss jederzeit und an jedem Ort ruckzuck  Wunder vollbringen können und zwar auf Teufel komm raus zu Gunsten der Bittsteller, die anderen sind Nebensache oder sollen von Gott am besten gleich aus dem Weg geräumt werden. Ja, Gott muss auch Alleskönner sein, d.h technisch alles draufhaben. Inklusive der für uns Menschen größten Unmöglichkeit, nämlich den eigenen Tod zu überleben.
Hier wird es spannend. Ist es nicht so, dass unser Universum durch einen „Urknall“ entstanden ist. Dafür muss es ja eine Ursache geben. Bleibt zunächst die Fremderregung. Wenn wir unser Universum als real erachten und nicht als virtuell, dann könnte es durch den Zusammenprall zweier Welten entstanden sein, die zu einem neuem Universum verschmolzen sind (oder auch in drei, vier… gespalten wurden. Da ein Multiversum aber physikalisch (derzeit) nicht beobachtbar ist, bleibt die Möglichkeit der Selbsterregung übrig, eine Fähigkeit die wir unserem Universum zutrauen müssen und erst recht einem noch größeren xyVersum, das wir praktischerweise Gott nennen könnten.  Damit ist aber die größte Forderung, die wir an das stellen, was wir Gott nennen wollen, klar. Gott muss dazu fähig den eigenen Tod überleben zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Gibt es das…. gibt es Gott.

Fortsetzung folgt….

Teil 3: Der abwesende Gott – Gott ist tot

Teil 4: Da ist nichts – Gott existiert nicht

Teil 5: Der formunabhängige existierende Gott

Letzter Teil: Gott und das Multiversum – nicht: Gott oder das Multiversum

Ernesto O. 01-2014

 

 

Ein Kommentar zu “Ist – ist nicht – ist doch nicht – was ist? (2)

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