Ist – ist nicht – ist doch nicht – was ist? (4)

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Guide:
Teil 0:  Gott oder die Quantenfluktuation
Teil 1:  Sinn des Lebens – der universale Gott
Teil 2:  Der allmächtige Gott
Teil 3:  Der abwesende Gott – Gott ist tot

4) Da ist nichts – Gott existiert nicht:

„Nun ist aber doch meinem Geiste eine gewisse althergebrachte Meinung eingeprägt, es gebe einen Gott, der alles kann; von dem sei ich, so wie ich da bin, geschaffen worden. Woher aber weiß ich, dass dieser es nicht etwa so eingerichtet hat, dass es überhaupt gar keine Erde, keinen Himmel, nichts Ausgedehntes, keine Gestalt, keine Größe, keinen Ort gibt, und dass trotzdem alles dies mir genau so jetzt da zu sein scheint.“ René Descartes  1642 (aus „Erste Mediation“/ in „Dritte Mediation“ formuliert Descartes einen sogenannten ontologischen Gottbeweis)

Komisch – Wir können uns Gott  vorstellen, selbst wenn wir uns  Gott nicht vorstellen wollen.  Auch Atheisten schaffen das leicht. Deshalb ist das härteste Argument gegen Gott nur das eine, dass Gott nie existiert hat. Bleibt die Frage, ob Gott dann dennoch in der Zukunft entstehen könnte, auch wenn es Gott bisher nie gegeben haben sollte. Die Menschen haben schließlich nach menschlichem Ermessen erkannt, dass sie plötzlich da waren.  Das gleiche gilt auch für Autos, Computer, Comics und Kartoffeln; sie alle waren früher nicht existent (zumindest auf unserer Erde) und sind es heute.

Ist der Mond eigentlich auch da wenn wir nicht hinsehen? Haben umstürzenden Mammutbäume von 20 Millionen Jahre überhaupt ein Geräusch gemacht, obwohl es niemand hören konnte? Existiert die Welt denn wirklich während wir schlafen oder wird sie speziell für uns zum Frühstück völlig neu erschaffen?
Wer nicht will, dass sich Gott selbst erschaffen kann, hat somit eigentlich nur dann eine reelle Chance zu sagen Gott existiert nicht, wenn er Gott auch die Eigenschaft des absoluten „Nichts“ zuschreibt. Denn das Nichts ist dann mal mathematisch gesprochen eine „leere Menge“ und die sollte keine Eigenschaft besitzen, denn nur das eigenschaftslose Nichts verbietet uns die Möglichkeit es uns real wie virtuell vorzustellen. Wobei wir hier kritisieren können, dass „das eigenschaftslose Nichts“ die Eigenschaft hat, „eigenschaftslos“ zu sein.

Sich Nichts vorzustellen ist ungemein schwieriger, denn wer sich ein echtes Nichts vorstellen will, darf es weder wahrnehmen noch daran denken. Ein echtes Nichts ist nicht benennbar und uns derartig fremd, dass, wenn es real existieren sollte, durch einen bloßen Gedanken unsererseits es der Zerstörung anheim fällt und  wahrscheinlich alles Exisiterende gleich dazu. Der Big-Rip, eine Form des kosmologischen Todes unseres Universums lässt grüßen; jedenfalls verhindert der Gedanke an ihn, dass es ein dauerhaftes echtes ewig stabiles Nichts geben könnte. Auch wenn die Beweisbarkeit fehlt erscheint es mir wahrscheinlicher dass Nichts ein Teil Gottes(des Universums) ist, als dass Gott(das Universum) ein Teil von Nichts. Auch der Gedanke, dass das Nichts ist und Gott nicht, wirkt nicht Vertrauen erweckend.

Wir sollten uns langsam mit dem Gedanken vertraut machen, dass Gott schon deshalb existiert, weil wir existieren, so wie das Universum existiert, wenn wir existieren, was nicht notwendigerweise bedeutet, dass Gott existiert, nur weil wir exisitieren.  Sollte Gott nicht exisitieren, erschaffen wir Gott dadurch, dass wir an Gott denken. Sollte Gott exisitieren und wir nicht, kann Gott uns erschaffen, so dass wir existieren. Schließlich sollte wir beachten, dass der erste Mensch, der selbst erkannt, zuvor mit Staunen sein drumherum bemerkte. Von der Erkenntnis der Umwelt zum Wort Universum und Gott ist es ein genauso weiter Weg wie von der Erkenntnis vom „ich“ zum „ich bin ein Mensch“. Das berühmte „häßliche Entlein“ brauchte je auch eine kleine Ewigkeit bis es bemerkte, dass es ein schöner Schwan ist.

Insgesamt ist es unbedeutend ob zwischen Gott und uns Menschen eine Henne-Ei oder Ei-Henne Beziehung besteht, Gott und Mensch existieren immer zusammen, was auch im übrigen nicht heißen muss, dass Gott von uns abhängig ist, selbst wenn wir die „Blutkörpchen Gottes“ seien.

Bleibt festzuhalten, dass die Beziehung zwischen Mensch und Mensch, und Mensch und Nichts einerseits viel problematischer ist, als die Beziehung zwischen Gott und Mensch, Mensch und Gott andererseits. 

Grund hierfür dürfte die Wandelbarkeit Gottes sein, der sich ggf. auch in Nichts verwandelt um das Unmögliche möglich zu machen. Auch wenn jetzt Nichts ist, dann erwarten Menschen typischerweise von Gott, dass Gott nicht nur von den Toten aufersteht sondern auch aus Nichts entsteht.


Ernesto O. 02-2014

Fortsetzung folgt….

Teil 5: Der formunabhängige existierende Gott

Letzter Teil: Gott und das Multiversum – nicht: Gott oder das Multiversum