Deutschland = „Börsenmuffelland“


oder Was der „Tag der Aktie“ daran ändern kann.

 

Ehrlich gesagt: Nichts!
In Deutschland, im Unterschied zu vielen anderen Ländern, wird das Geschehen an den Börsen häufig als blanke Zockerei betrachtet, was sich ähnlich negativ wie in der Verweigerungshaltung der Deutschen zu Griechenland artikuliert.

Alle Vorurteile münden in Sätzen wie diesen: „Mit Geld wird nicht experimentiert und überhaupt beim Geld hört die Freundschaft auf!“

Am liebsten hätten wir, dass der Staat die Wirtschaft von A-Z kontrolliert um die freilaufenden Betrüger in Nadelstreifenanzügen und Krawatten einzufangen. Doch ach; in Ländern fern vom Kapitalismus wie einst China, die Sowjetunion(jetzt Russland) und die ehemalige DDR funktioniert das auch schon lange nicht mehr. Der Staatskapitalismus hat bereits dazu geführt, dass Putin 200.000.000.000$ (noch ein Gerücht) besitzen soll und die Alten in der chinesischen Führungsriege alle Milliardäre sind.  Die Kluft zwischen Arm und Reich hat geradezu kosmische Dimensionen angenommen. Und das, obwohl jeder Finanz- und Wirtschaftsminister weiß, dass die Taler, die nicht wandern auch niemand verdienen kann und niemand sich auf Dauer davon ernähren kann. Wen wundert da die ansteigende Kinder- und Altersarmut(weltweit!), die die Staaten am Ende doch tragen und ertragen müssen und denen dazu kaum etwas anderes einfällt(trotz Studium!) als die Last auf die schon arme Bevölkerung umzuverteilen oder Schulden um neue Schulden zu machen.

Wirtschaft muss perspektivisch auf allen Ebenen florieren und dazu ist gibt es nun mal Unternehmen – viele auch mit nachhaltiger Zukunftsphilosophie – und die werden unter anderem auch an den Börsen notiert.

1962 – ich war damals 10 Jahre alt – besuchten wir mit der Schulklasse das Coca-Cola Werk. Weil ich beim Quiz am schnellsten war und wusste, dass Ottawa die Hauptstadt von Kanada ist, erhielt ich als Gewinn ein Coca-Cola Set mit Trinkflaschen und schmucken Cola Gläsern. Das Coke ist gesoffen und Gläser schon lange kaputt. Hätte es doch damals schon den Tag der Aktie gegeben und hätte ich 1962 stattdessen  1 Coca-Cola-Aktie geschenkt bekommen wäre diese Aktie jetzt mehr als 18000% gestiegen, bei Wiederanlage der Dividende sogar um 30000%. Das nennt man heutzutage erfolgreiche Altersvorsorge. Doch wie das Leben so spielt gab es damals nur den Weltspartag und ich brachte als „guter Deutscher“ meine paar Pfennige auf die Sparkasse.

Fassen wir mal zusammen (zum Mitschreiben):
Aktienanlage à la longue macht Sinn. In den vergangenen 30 Jahre stiegen die Aktien des DAX (die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands) p.A. durchschnittlich um 10% (2013 ca. 27%, 2014 ca. 2% 2015 Jan-März 23%). Allerdings gibt es dazwischen immer wieder Phasen (Krisen), in denen die Kurse auch einmal 20%-50% einbrechen können (2000-2002 Internetblase, 2008 Finanzkrise, 2011 Eurozone). Sicher kann man an der Börse schnell Geld verdienen, aber noch schneller verlieren. Deshalb sollte man nur Aktien  mit Geld kaufen, das man übrig hat und nicht alle „Eier“ in einen Korb legen und auch ab und zu mal die Gewinne mitnehmen. Zuletzt: Gier ist ein schlechter Berater, auch und gerade an der Börse!

Egal wie viel Geld man übrig hat, bitte nicht wie jene Oma vorgehen, die ihr ganzes Erspartes (50000 €) vor der Finanzkrise in  HypoRealEstate Bank-Aktien gesetzt hatte und nun von Luft und Liebe leben muss. Wer nicht bereit ist sich Börsen-Basis-Wissen anzueignen, sollte auch keine Aktien erwerben. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Natürlich wäre es für die Oma besser gewesen je 10000 € sagen wir mal auf  VW, Siemens, Coca-Cola, Apple und HypoRealEstate (nur eine Bank!) zu setzen, dann sähe die Rechnung anders aus. Weil  VW und Apple seit der Finanzkrise rasant gestiegen sind wäre das Loch von 10000 € wahrscheinlich bereits wieder gefüllt. Es kommt ausgesprochen selten vor, dass eines der 110 Unternehmen des HDAX (alle Aktienpapiere aus dem DAX, MDAX und TECDAX) pleite geht, ist aber natürlich nicht auszuschließen. Gefährlicher  sind da schon die Aktien des SDAX (Small-DAX), da diese Firmen zumeist eine Marktkapitalisierung von weniger als 300 Mio € besitzen und hier gibt es auch mit Praktiker ein Beispiel für eine Pleite in der jüngsten Vergangenheit.

Wer Aktien kaufen will, sollte das nicht auf Zuruf tun, sondern vor dem Start gründlich einen Monat lang in der ARD-Börse nachlesen was wichtig ist. Auch nach jahrelanger Erfahrung mit Börsenkursen ist die Webseite des ARD eine seriöse Entscheidungshilfe für mich geblieben. Anfänger können dort auch zunächst ein paar Monate mit einem eigenen Musterdepot spielen. Bleibt die Frage wieviel Geld man denn so einsetzen soll?  Nichts ist im Leben ohne Risiko. Man kann also beispielsweise mit einem Monatsgehalt beginnen (das Depot nicht bei der Bank eröffnen, bei der das Girokonto geführt wird und das Gehalt überwiesen wird!) und sich sagen, wenn das Geld verloren ist, höre ich auf…. wer keine Disziplin gegenüber der eigenen Strategie pflegt, hat schon verloren ehe er/sie begonnen hat.

Geld vermehrt sich nicht von alleine, aber diese Weisheit ist bei den Negativ-Zinsen von heute (2015) inzwischen auch schon beim letzten Sparer angekommen. Wer ein Aktien-Depot führt gibt übrigens sein Geld nicht der Bank (die verwaltet nur das Depot), sondern vertraut sein Geld einem Unternehmen an. Wenn sie privat mit Apple, VW, Metro, Douglas oder der Post AG  sehr zufrieden sind, warum also nicht? Sie sind dann ausserdem Miteigentümer einer (Welt-)Firma und werden zur Hauptversammlung eingeladen. Wenn Konzept, Produkte bzw. Dienstleistungen, Eigenkapital und Ausblick für Umsatz und Gewinn stimmen werden ihre Aktienkurse normalerweise steigen, es sei denn der Markt hat schlechte Laune, was leicht am Verhalten des DAX abzulesen ist.

Wer nicht in windige Aktien investiert, wird feststellen, dass die Börse kein Hexenwerk ist und ab und zu durch zusätzliche Dividenden belohnt wird. 4x im Jahr lohnt es sich es allerdings besonders hellwach zu sein. Denn dann gibt es Quartalszahlen (Januar, April, Juli, Oktober) und die Richtung der Aktien (Talfahrt oder Hausse) kann sich dann längerfristig ändern.

Im folgenden Interview der ARD-Börse mit Vermögensverwalter Thomas Grüner erfahren sie mehr zur Frage: „Warum haben die Deutschen so viel Angst vor der Börse?“

Das Wetter für die Börsenkröten ist in diesem Jahr noch eine Weile heiter bis wolkig.

K-H-K

Allerdings wird vor örtlichen Gewittern gewarnt…

und Wetterfrösche wie auch Börsenkröten können sich irren.

Ernesto O.   

 

 

 

 

 

 

 

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