QSPF: Ivanka, Einstein und die Fakten



Pfeil rot
Pfeil rot Translation


Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, dann ändere die Fakten.

Sorry, ein Freund der Familie Trump werde ich wohl nie. Zu reich, zu großkotzig, zu egomanisch und zu geldgierig.

Wenn es allerdings um die Wahrheit und um Einstein geht, dann kenne ich weder Freund noch Feind und muss Ivanka Trump in Schutz nehmen auch wenn es mir nicht passt. Denn, wenn wir anfangen diejenigen, die uns unsympathisch sind, prinzipiell als Lügner zu beschimpfen, selbst wenn sie die Wahrheit sagen, dann bleiben die Fakten (Tatsachen) als Leiche auf der Strecke.

Der Stein des Anstosses ist:

Ivanka hat gesagt, Einstein hätte dies gesagt, doch @AlbertEinstein (offizieller Twitter Account für den verstorbenen Einstein) sagt, Einstein hat das nie gesagt und verweist auf die Princeton University, die auf das Buch „The Ultimate Quotable Einstein“ verweist, dass dies Einstein nie gesagt hätte und man könne dies dort dort nachprüfen.

Da war aber sofort was los auf Twitter. Die Tageszeitung Merkur berichtete:

Fake-News – Einstein falsch zitiert? Die Princeton Universität klagt an. Wir rufen „Einstein“ in den Zeugenstand! Auf Google Books gibt es das Zitate-Buch der Princeton Universität komplett in digitaler Form.  Also rasch die Suche in The Ultimate Quotable Einstein starten: Und siehe da auf S. 483 kommt etwas seltsames zu Vorschein! Das von Einstein angeblich nie gesagte!

Nun ist guter Rat teuer….. Zahlreiche Möglichkeiten tun sich auf.
Entweder hat Einstein das
1. nie gesagt oder
2. doch gesagt.

Daraus folgt:
1. Google, Princeton University oder wer auch immer hat die Bildschirmausgabe oder den ursprünglichen Text manipuliert. Fake Fake Fake.
2. oder das Zitat ist richtig.
3. keiner versteht Einstein.
4. oder vielleicht versteht nur Ivanka – Einstein – richtig.

Übersetzen wir das Zitat in ein verständliches Deutsch:

Wenn die Fakten (Tatsachen, Sachverhalte) nicht zur Theorie passen, ändere die Fakten.

Nimmt man diesen Satz politisch (Politik = Interessenvertretung…), dann könnte er (ganz im Sinne der Familie Trump?) so lauten:

Wenn die Fakten nicht zum meinem Plan (oder zu meiner Überzeugung) passen, dann manipuliere ich die Fakten.

Nun war Albert Einstein kein Politiker, sondern Naturwissenschaftler, der sich mit Physik, Mathematik und Astronomie beschäftigte und eher selten einen Gedanken über die Menschen und die große Politik äusserte.
Natürlich machte Einstein auch Fehler, dennoch war es für einen Naturwissenschaftler wie ihn, der Anerkennung für seine bedeutenden Erkenntnisse wollte, sehr wichtig experimentelle Beweise – sprich: Fakten – für seine Theorien zu finden und völlig ausgeschlossen Messergebnisse zu fälschen. Die Fälschung von Messergebnissen macht eine Theorie, ebenso die Wissenschaftler, die dahinter stehen indiskutabel. Anders als in der Politik kann man mit gefälschten Tatsachen in Natur und Technik nicht erfolgreich sein.

Sollte er diesen Satz: „If the facts don´t fit the theory, then change the facts.“ nicht sarkastisch gemeint haben, muss er im Lichte des Wissenschaftlers gedeutet werden. Legen wir also den Rückwärtsgang ein und machen eine Einstein angemessene Ableitung:

Wenn die Fakten nicht zum Plan passen, dann manipuliere die Fakten. (Politiker)

Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, ändere die Fakten. (angeblich Einstein)

—> Fakten = Experiment * Messungen

Wenn die Fakten(Experiment * Messungen) nicht zur Theorie passen, ändere die Fakten( Experiment * Messungen).

—> Experiment = Fakten/Messungen

Wenn die Experimente nicht zur Theorie passen, mache neue andere Experimente. (NaWi)

Einstein war wohl in gewisser Weise auch Sportler, der sich natürlich geärgert hat wenn die Ergebnisse nicht mit dem Ziel kompatibel sind. Ein Hochspringer ändert dann die Sprungtechnik, den Anlauf etc. um zu beweisen, dass er höher springen kann als angenommen. Naturwissenschaftler hingegen ändern die experimentelle Basis, die Bedingungen, die Relationen etc. aber nie die Ergebnisse. Je besser intelligenter die Anlage der Experimente, desto leichter wird kann mittels der Messergebnisse gezeigt werden, ob die Fakten die Theorie bestätigen.

Nicht vergessen sollten wir, dass Einstein Sinn für Humor und Situationskomik hatte (s. The Ultimate Quotable Einstein und das berühmte Foto mit der herausgestreckten Zunge).

Zwei Beispiele:
„Als ich viel später mit Einstein kosmologische Probleme diskutierte, bemerkte er, dass die Einführung der kosmologischen Konstanten die größte Eselei [biggest blunder] seines Lebens sei.“ ( George Gamows 1970 posthum veröffentlicher Autobiografie)

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Bleibt die Frage: Hat sich Ivanka nun mit dem Zitat blamiert?
Nicht wirklich, oder hatten sie etwa etwas Kluges von ihr erwartet?

Ernesto O.

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