Aber im Kambrium


war das Kohlendioxid zwölfmal so hoch wie heute. ( 👠 Fußstampf! )

Wir leben in einem skurrilen Zeitalter. Nach Datenklau, Fake-News, Weltverschwörung und Umvolkung sind nun die Leugner am Zug.

Skepsis ist prinzipiell eine gesunde Angelegenheit, doch wissenschaftliche Erkenntnisse und nachprĂŒfbare Fakten grundsĂ€tzlich zu leugnen oder sie so zu vereinfachen, dass sie nach Belieben falsch und vor allem wie es gerade gefĂ€llt zweckgebunden politisch missbraucht werden können, ist die gĂ€ngige neue Methode um Unwissende vor den politischen Karren zu spannen. Die KomplexitĂ€t der Dinge kommt denen, die daraus Kapital schlagen wollen dabei natĂŒrlich entgegen.

Zur Zeit geistert folgender Menschen verachtende Tweet um die Welt.

Über die Frage „Was ist schlimmer – Holocaustleugner oder Klimaleugner“ wird versucht sowohl den faktisch belegten Holocaust, wie die faktische belegte KlimaerwĂ€rmung der zurĂŒckliegenden 150 Jahre ins LĂ€cherliche zu ziehen und beides unglaubwĂŒrdig zumachen.

Wen wundertÂŽs? In einer Welt, in der an Stammtischen, vor Wahllokalen und in PresseerklĂ€rungen der Politiker davon schwadroniert wird, dass in Amsterdam 30% Muslime statt in Wahrheit nur 12% leben, der Brexit mit der 350 000 000 Pfund LĂŒge befeuert wird, und ein PrĂ€sident der USA schon am ersten Tag seines Amtsantritts kindische LĂŒgen ĂŒber die Anzahl der Zuschauer vor dem Kapitol verbreitet, geht es vor allem um Macht und Profit, da nimmt man es doch mit der Wahrheit nicht mehr so genau. Schließlich sind einfache ErklĂ€rungen sehr schön fĂŒr das eigene rosarote Weltbild, aber sie mĂŒssen auch einer PlausiblitĂ€tsprĂŒfung standhalten.

Nehmen wir also die EinwÀnde ernst, die den Klimawandel der vergangenen 150 Jahre in ihren Tweets zum Vogelschiss der Evolution degradieren und rechnen mal nach.

Zu 1.: „Dumm nur, dass in dem Zeitalter (-Kambrium-) alle Tierarten entstanden die wir heute kennen.“

Dumm nur, dass das blanker Unsinn ist! Es gibt heute rund 8,7 Millionen Arten auf der Erde, mehr als 50% davon im Regenwald. Im Kambrium hingegen gab es weder WĂ€lder noch Savannen. Ein riesiger Ozean, WĂŒsten und große vulkanische Gebirge prĂ€gten die Erde. Im Meer wuchsen Stromatolithen, die von Mikroorganismen bevölkert wurden.

Siehe Wikipedia:
„Erstmalige Vorkommen von Vertretern fast aller heutigen TierstĂ€mme im geologisch kurzen Zeitraum v. rund 20 Millionen Jahren beginnend vor etwa 541 Millionen Jahren (Kambrische Explosion)“

Konkret handelte es sich lediglich um acht, heute die Fauna nicht mehr dominierende TierstÀmme:
SchwÀmme (Porifera),
Nesseltiere (Cnidaria),
GliederfĂŒĂŸer (Arthropoda),
ArmfĂŒĂŸer (Brachiopoda),
Weichtiere (Mollusca),
StachelhÀuter (Echinodermata)
Kleinere StÀmme von Wirbellosen und
VorlÀufergruppen der Wirbeltiere.

Im Kambrium (vor 540 – 485 Mio Jahren) entwickelten viele Arten erstmals harte Skelette und GehĂ€use. Als Schutz vor den ersten großen RĂ€ubern, die auch zu dieser Zeit auftraten, sowie durch das große Angebot von Calciumcarbonat aufgrund der VerĂ€nderung in der chemischen Zusammensetzung des Meerwassers.

Achtung!
Es gab weder Landpflanzen,
noch SĂ€ugetiere,
Vögel,
Reptilien,
Fische,
keine Insekten
und Spinnen.
Von Menschen und Primaten ganz zu schweigen.

Zu 2.:„ Oh. Im Zeitalter des Kambrium lag der CO2 Anteil in der AtmosphĂ€re 12 x höher als heute.“

Andere Zeiten, andere Bedingungen!

Wer Wikipedia zitiert, sollte nicht die HĂ€lfte unterschlagen, deshalb s.u.

Wer genau hinsieht erkennt zum einen, dass der CO2 Gehalt (alles Durchschnittswerte) bei 0,45 % (0.028% = 1850, 0.0405 = 2018), der Sauerstoffgehalt bei 12,5% ( 20,95% = 2018), die Temperatur bei 21° ( 13,5 ° = 1850-70, 14,5° =2010 ff.) lag.
Daraus ergibt sich, dass im Kambrium eine grundlegend andere AtmosphĂ€re existierte. In dieser Zeit machte der Sauerstoff einen Sprung von ca. 3% auf 12%. Ursache war die rasch anwachsende Photosynthese in den Weltmeeren, was die Ozeane mit Sauerstoff sĂ€ttigte u. zur kambrischen Explosion anregte s.o. Der CO2 Gehalt in der AtmosphĂ€re lag am starken Vulkanismus. Im Laufe des Kambriums fĂŒhrte die vermehrte Lösung des CO2 im Meerwasser zur Bildung von Kalkablagerungen und setzte erstmals den Kalkkreislauf in Gang, der auch heute noch als Regulator von CO2 in der AtmosphĂ€re wirkt. Insgesamt war die ErdoberflĂ€che lebensfeindlich, aber auch die Chemie der Meere, war stark wechselhaft, was zum Massenaussterben im Ozean am Ende des Kambriums fĂŒhrte.

Zu 3.: „Die Panik der Indoktrinierten ist kaum mehr zu ertragen.“

😀Ach, wer will denn hier Witze machen?
Typische Beispiele fĂŒr Panik waren der TribĂŒneneinsturz im Heysel-Stadion 1985 und die Panik bei der Loveparade in Duisburg 2010. Demonstrationen wie FFF, Pegida, GW in Paris, Pro-ESP in Barcelona etc. sind beabsichtigte politische Willensbekundungen und in Demokratien legitim und bestimmt keine Panik.

Vertauscht hier etwa jemand böswillig Panik mit der eigenen gezielten Panikmache
 das ist schon selten blöde.

„Bei zunehmender Angst ist es möglich, dass die Reaktionen des Menschen nicht-rational und nicht-sozial werden. Es kann beispielsweise zu einer lĂ€hmenden Starre bzw. einem kopflosen Fluchtverhalten kommen. Dieses unvernĂŒnftige und unzweckmĂ€ĂŸige Verhalten wird als Panikverhalten bezeichnet.“

Zu 4.: „Jeder, der die Grundschule besucht hat, weiß, dass CO2 NĂ€hrstoff fĂŒr die Pflanzen ist, und dass es auf der Erde im Vorkambrium vor 570 Mio. Jahren viel wĂ€rmer war. Aber diese Umweltextremisten glauben, dass sie es besser wissen!“

NatĂŒrlich betreiben Pflanzen Photosynthese, was aber doch ĂŒberhaupt nichts ĂŒber die LebensqualitĂ€t der AtmosphĂ€re fĂŒr höher entwickelte Pflanzen, Tiere (und Menschen, hĂ€tten sie damals schon leben können) im Kambrium aussagt. Die Entwicklung fand ja mit gutem Grund nur auf dem Meeresboden statt. Im Meereswasser fanden Algen und einfache Tierarten aufgrund der vorhandenen NĂ€hrstoffe und dem Schutz vor UV-Strahlung eine Lebensgrundlage, die auf den Kontinenten wegen der lebensfeindlichen AtmosphĂ€re nicht möglich war.

Übrigens: Kann mir mal jemand erklĂ€ren woran man diese „Umweltextremisten“ erkennt? Haben die BlĂ€tter oder Schuppen im Gesicht und SchwimmhĂ€ute an den HĂ€nden??? 😀

Fassen wir zusammen:
Wir können viel vom Kambrium lernen, aber fĂŒr unsere heutige KlimaerwĂ€rumg in den letzten 150 Jahren gibt es keine brauchbaren Hinweise.

So korrelieren die Temperatur auf der Erde und der CO2 Gehalt der AtmospÀre im HolozÀn/QuartÀr der letzten 400 000 Jahre deutlich.

Mit dem Ausklingen der Eiszeit hat die Durchschnittstemperatur in den vergangenen 10 000 Jahren einen Korridor besetzt (blau), aus dem sie nun nach oben ausgebrochen ist.

Genauso ist die CO2 Konzentration nach oben ausgebrochen.

NĂ€chster Fakt: Wir Menschen erzeugen mehr CO2 als die Erde aufnehmen bzw. puffern kann.

Zur Abbildung: Angaben in Gt (Gigatonnen) pro Jahr, berechnet fĂŒr den Durchschnitt der Jahre 2000-2009. Die Aufnahme durch Vegetation und Land sowie Ozeane ist grĂ¶ĂŸer als die Abgabe von CO2, da auch ein Teil der vom Menschen verursachten Emissionen (links) aufgenommen wird – aber eben nur ein Teil; Quelle: IPCC 2013, AR5, WG1, Kap.6, Abb.6.1 (Kohlenstoff, multipliziert mit 3,67 ergibt die Werte fĂŒr CO2.)

Rund 33-35 Gt werden also dem Kohlenstoffkreislauf pro Jahr zugefĂŒhrt, davon 27-30 Gt, die er nicht puffern bzw. „schlucken“ kann. Das macht in zehn Jahren ca. 300 Gt, bis 2050 schon fast eine Tt (Terratonne = 1Billion t) zusĂ€tzliches CO2.
Wenn wir daran grundsÀtzlich nichts Àndern, Àndert sich das chemische Gleichgewicht mit entsprechenden Konsequenzen: Weiterer Anstieg des CO2 in der AtmosphÀre, Temperaturanstieg, Abschmelzen der Gletscher, Anstieg des Meeresspiegels um wahrscheinlich 70 Meter.

Wer sich jetzt gerne zurĂŒcklehnen möchte, bitte – aber nicht spĂ€ter zu den Enkeln sagen, das habe ich nicht gewusst.

Ernesto O.

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