Bin ich jetzt authentisch?


…muss das auch noch sein? Nein. Ich bin nicht Loriot.

Auf Twitter begegnen uns immer wieder Leute,

  • die sind keine Leute
  • die sind Fakes
  • haben Fake-Profile
  • sind in Wirklichkeit Bots
  • nur Influencer
  • posten nach einer Masche
  • wollen sich augenscheinlich bei bestimmten Gruppen lieb Kind machen
  • usw.

Was Ihnen allermeist fehlt ist eine authentische Persönlichkeit. Mit ihren Profilbildern heften sie sich bestimmte „Eigenschaften“ ans Revers, z.B. Kreuzritter, Göre, Krokodil, Promi, Gelbweste, Antifa, Pegida, anderes Geschlecht, andere Herkunft, anderer Glauben etc. Ob und in wie weit es sich lohnt mit solchen „Persönlichkeiten“ zu kommunizieren muss jeder für sich selbst entscheiden. Was diesen „Persönlichkeiten“ aber fehlt ist Authentizität. Wenn sie also prüfen wollen wie echt ihr Twitter-Gegenüber ist, dann lohnt sich die Plausibilätstprüfung der angebotenen Echtheit.

Die Authentizität eines Menschen bedeutet, sich entsprechend dem wahren Selbst, d. h. seinen/ihren Werten, Gedanken, Gefühlen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und zu handeln und sich nicht durch externe Einflüsse steuern zu lassen. Die Echtheit (Authentizität) einer Person wird jedoch häufig durch Manipulation, Gruppenzwang und wirtschaftliche Fremdbestimmung beschädigt.

Kriterien der Authentizität:
(nach Kernis und Goldmann)

Bewusstsein

  • Ich kenne meine Stärken
  • Ich kenne meine Schwächen
  • Ich weiß um meine Gefühle und Motive für mein Verhalten.
  • Ich betreibe Selbsterkenntnis und Selbstreflexion(durch Selbst- und Fremdwahrnehmung)
  • Ich mache mich und mir selbst mein Handeln bewusst

Ehrlichkeit

  • Ich blicke der ungeschminkten Realität ins Auge
  • Ich akzeptiere auch unangenehme Rückmeldungen, die mein eigenes Selbstverständnis treffen.

Konsequenz

  • Ich handele nach meinen Werten und Überzeugungen, die ich auch offen lege.
  • Ich gebe nicht den Opportunist.
  • Diese gilt auch für den Fall, dass ich mir dadurch Nachteile einhandle.(Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Aufrichtigkeit

  • Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen
  • Ich verleugne mich nicht (Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Probleme

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“ und strahlt in der Öffentlichkeit aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. („Die immer lacht“, weint ja auch nur wenn sie alleine ist…)

Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln.

Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren. (Das Harald Juhnke-Phänomen)

Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie klischeehaft und wird kitschig. Andernfalls erscheint sie auch als künstlerisch gekonnt.

Das Petrus-Claudius-Problem


Zu meiner Echtheit gehört es auch Nachteile in Kauf zu nehmen – oder?
Gut und ehrenwert, aber es ist ein nutzloses Opfer an meine Authentizität, wenn ich mich dadurch in eine lebensgefährliche Situation bringe.

Beispiele:

Petrus hat Jesus „3 mal verleugnet bevor der Hahn krähte“ Zu Recht, er wusste um die lebensbedrohende Situation! Gut möglich, dass es das Christentum sonst nie gegeben hätte.

… als die römische Prätorianer-Wache am 24. Januar 41 den verhassten Kaiser und Tyrannen Caligula in den Kellergängen eines Theaters ermorden, versteckt sich der physisch kranke Claudius aus Angst vor den Gewaltakten der Soldaten. Hätte sich Claudius schützend vor seinen Verwandten gestellt, hätten die Prätorianer ihn genauso ermordet, stattdessen machen sie ihn – die vermeintliche Witzfigur – zum neuen Kaiser.

…. Harald Juhnke hatte große Probleme mit dem Alkohol, nach aussen war er für das TV-Publikum aber immer fröhlich und lustig. Zwar eine Schein-Fassade, aber das war das Geschenk an sein Publikum und es war dankbar dafür. (Ähnliches galt für den Star Roy Black, der depressiv war, aber die Fans durch seine scheinbare Echtheit begeisterte.
Amy Winehouse? Sie bekam für ihren „Back to Black“ Look Beifall vom „Influencer Lagerfeld“ und trieb sich durch selbstverletzendes Verhalten schließlich in den Tod.

… Niemand wird James Bond 007 Echtheit abstreiten, obwohl er bisweilen alle Mittel der Tarnung und Täuschung verwendet.

… und um dem KZ zu entkommen, hätte ich alles getan, um meine wahre Identität zu verbergen.

Also dann seien sie jetzt mal authentisch, aber mit Augenmaß und Selbstbewusstsein.


🤔Ernesto O.

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