Königin Silvia und der Bettentrick


Es war 1994 oder 96, auch egal, jedenfalls war es eine dieser spottbilligen Rubin-Reisen nach Italien. Florenz, Neapel, Capri, Ischia, Amalfi, Pompeji mit Vesuv, Rom mit Petersdom und Gardasee. Inbegriffen war auch eine Werbeveranstaltung, eine Kaffeefahrt mit dem Reisebus hinauf in den Apennin, inklusive ein kostenloses Mittagessen in einem abgelegenen einsamen Berg-Restaurant. Wer schon auf Kaffeefahrten war weiß worum es geht. Den Leuten werden Dinge wie Heizdecken, Perlenketten, Essbesteck-Sets und so weiter verkauft. In diesem Fall war es allerdings etwas ganz Besonderes: Teuere Bettwäsche und Matratzen, die selbst die Königin von Schweden wegen ihrer exklusiven Qualität benutzt. Sogar mit eingelassenen Silberfäden und dementsprechend war der Preis dafür auch stattlich.
Natürlich konnten die Käufer der Bettausstattung auch noch eine Reise gewinnen, doch erst musste man die Lobpreisungen des Verkäufers über sich ergehen lassen. Wer hier an Flucht bei 35 Grad Aussentemperatur dachte, verwarf den Gedanken sehr schnell, denn die Sonne knallte unbarmherzig vom Himmel herab. Zuhören war angesagt, jedoch zwei junge Frauen fanden den Vortrag nicht erquickend und begannen zu schwatzen. Daraufhin reagierte der Verkäufer erbost und warf die beiden Damen lautstark hinaus. Der Effekt zündete und die Angst davor draußen in der Hitze der Sonne braten zu müssen machte aus dem Rest der Busgesellschaft eine andächtig lauschende Zuhörerschaft. Da waren auch keine Einklatscher mehr nötig. Die teueren „Königin Silvia Betten“ gingen weg wie warme Semmeln.

Nachtrag: Das Mittagessen war sehr bescheiden, kein Vergleich zur Pizza a Metro in Napoli.

So, was können wir daraus lernen?
Der Königin Silvia Bettentrick funktioniert folgendermaßen:
Ich suche mir in meinem Publikum unter fadenscheinigem Vorwand eine Person, die ich als Störenfried stigmatisiere und lasse sie unter Zuhilfenahme von weiteren Personen hinauswerfen.
Ergebnis: Nun habe ich das Publikum dazu gebracht sich auf mich auszurichten und zugleich sich gegen den ausgegrenzten Menschen zu wenden.
Nebeneffekte: Hinzu kommt, dass jetzt zahlreiche Zuhörer mich für eine besonders konsequente Person halten und mir unterschwellig mehr Durchsetzungsvermögen und Kompetenz zusprechen. Somit mir auch mehr Respekt zollen und darüber hinaus sich im Hinterkopf die Angst davor manifestiert ebenfalls als Störenfried ausgegrenzt zu werden.

So bindet man mit diesem einfachen Trick den Rest des Saales an sich.

Und nun wird es lustig: Naja, eigentlich nicht.

#Weingarten #Weidel

Ich weiß nicht ob Alice Weidel bei ihrem Wirtschaftsstudium auch ein Werbeverkauf-Seminar bei Rubin Reisen absolviert hat. Leider ist im folgenden AfD-TV Video das Opfer nicht zu sehen – warum nur….

Wenn ich die  „Weidel-Rede“ in Weingarten anschaue dann gibt es auffallende Parallelen zum  Königin Silvia Bettentrick:

Alice Weidel und viele Politiker in der AfD versprechen den Leuten eine schöne Reise zurück in die Vergangenheit, in der angeblich alles besser („normal“) war, locken mit Waren der Extraklasse (Herrenrasse u. rassitischer Ideologie) und demonstrieren denen, die diesen Behauptungen auf den Leim gehen eine „Macht der Gemeinschaft“ aus der jeder Störenfried verbannt wird. Wer nicht folgt, der wird ganz sicher  in der Wüste verhungern (von der „Umvolkung“ überrannt werden); wer aber folgt wird profitieren und an Stärke gewinnen.

Warum nur erinnert mich dieses Szenario an den Kinofilm „die Welle“ ?
Die Hintergrundinfo zur Weidel-Story liest sich auf Twitter jedoch so.

Nach diesem Tweet von Studis für Weingarten, könnte einem allerdings sogar in den Sinn kommen, dass hier mit üblen Polit-Karten gezinkt wurde. Muss aber nicht sein, denn der „Königin Silvia Bettentrick“ funktioniert auch ohne Agenten. Die Manipulierten merken es in der Regel nicht solange nicht Aussenstehende die Situation beleuchten.

Allen  Lehrkräften  für  das Fach  Politik und  Wirtschaft kann es  als praktisches  Material zur Anschauung für den Unterrichtseinsatz dienen. Nur Philopshia Perennis wundert sich warum Weidel-TV den Clip schon wieder gelöscht hat.

Sollte das Video aus dem Netz verschwinden, gibt es allerdings nach wie vor den Spielfilm „Die Welle“, der allemal sehenswert ist und zeigt wie leicht Menschen zu manipulieren sind und für Zwecke einer Bewegung mißbraucht werden können.


Ernesto O.

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