Der Börsenmonat – September 20

DerBoersenmonat #Musterdepot #FreeBlog

Wenn du mit deinem Hund spazieren gehst,
läuft der Hund (die Börse) dir manchmal vorneweg,
aber manchmal läuft er dem Herrchen (die Wirtschaft) auch hinterher.

In der vergangenen Dekade haben sich die Monate August und September zu den schlechtesten des Jahres entwickelt. Insgesamt haben seit 2017 fünf von acht Spätsommermonaten (August + September) negativen Ertrag auch im Börsenmonat-Musterdepot generiert. 2020 ist der September ebenfalls auf dem Weg Verluste zu generieren. Eigentlich war uns Anfang April allen klar, dass die Wirtschaft einen kräftigen Rücksetzer erlitten hatte, was sich auch so dann im Musterdepot Ende März mit -21% Performance dokumentierte. Hier nun schlug die klassische André Kostolany Erfahrung (sinngemässes Zitat oben) zu. Während die Börse seit März von der Leine zog und wir hinterher rannten, zieht der „Hund“ jetzt in die andere Richtung. Immerhin füllte diese weit von der Wirtschaftsrealität entfernte halbjährige andauernde Ralley den Depotkrug wieder bis 20300 € auf und es sah aus als ob nichts gewesen wäre. Doch pünktlich zum „Hexensabbat“ (Freitag (18. September) drehten die Börsen. Am Hexensabbat, dem großen Verfallstag laufen die Wetten auf Aktien und Derivate aus und es zeigt sich ob die Börsianer im zurückliegenden Quartal zu optimistisch waren.

Bis zum nächsten Hexensabbat (18.12.2020) kurz vor Weihnachten wird es holprig, denn große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Brexit und US-Wahlen werden je nach Ergebnis ein Auf- und Ab an den Börsen verursachen, während die Weltwirtschaft langsam versucht wieder Fahrt aufzunehmen.

Welche Verluste darf ein Depot hinnehmen?
Sieht man von typischen Crashsituationen wie im März ab, kann es aber auch passieren, dass die Börsen langsam den Hang hinunter rutschen, wie etwa 2002 oder 2016, was aber ein kleines Depot recht bald halbieren kann.

Entwicklung Musterdepot seit 2012 (halbjährig)

Natürlich könnten wir stur Kostolany folgen, „Schlaftabletten“ nehmen und uns vor Augen halten, dass irgendwann der „Hund“ auch wieder vorneweg rennt, wie  der Durchmarsch von Januar 2017 bis Januar 2020 mit ca. 100% auf 20600 € bezeugt. Aber das Nichtstun habe ich 2016 in der China/Brexit/Trumpkrise ausprobiert und musste so innerhalb von 12 Monaten 50% Lehrgeld bezahlen. Deshalb stellt sich jetzt die Frage: Wird dies wieder geschehen, und wenn ja, gibt es ein Gegenmittel? Sollte der September der Anfang einer Korrektur sein, die vielleicht bis Ende 2021 die Börse Schritt für Schritt nach unten führt? Was tun?

Wann ist der Verkauf einer Aktie sinnvoll?

  • Wenn sie besonders viel Gewinn gemacht hat?
  • Vor- oder nach Quartalszahlen?
  • Wenn sie kontinuierlich Monat für Monat abrutscht?
  • Nachdem sie rasch abgestürzt ist?

An der Börse gewinnt wohl am Ende immer wieder der Optimismus, aber bis dahin ist das nicht ganz so einfach. Ein gänzlich ungesteuertes Depot wirft einem schnell ein, zwei oder gar mehrere Jahre zurück. Ein Blick auf das Musterdepot Ende Januar 2020 und der Vergleich mit heute kann bei der Entscheidung helfen. Ab + 30% machen Aktien wirklich Spaß und deshalb vergleichen wir das Musterdepot von Januar 2020 (10 verschiedene Aktien) mit heute (ebenfalls 10 verschiedene Aktien). Ende Januar hatten folgende vier Aktien zwischen 30% und 138% Performance erzielt.

Depotaufnahme – – Jan 20/Anzahl/% – – heute/Anzahl/%
7.2016 Sony 27,02 – – 50 St./ 138% – – 25 St./148% 66,90
4.2018 Grieg Seafood 7,37 – – 350 St./ 91% – – 220 St./ 3% 7,56
7.2019 Niu Tech 6,05 – – 160 St./ 30% – – 160 St./ 164% 15,95
12.2019 3D Systems 7,69 – – 120 St./ 30% – – 330 St./ -30% 4,09
Neue Aktie (seit Anfang April dabei):
4.2020 Encavis /500 / 9,85 – – – – 400St./ 46% 14,14

Sony:
Wenn eine Aktie über 100% gelaufen ist wie der Börsendino Sony, dann darf gerne mal die Hälfte verkauft werden. Weiter beobachten.

Grieg Seafood:
Grieg ist nun auch schon im dritten Jahr im Depot. Leider ist die Story zu Ende, seit die Aktie im Juli Opfer einer Corona-Fakenews wurde. Dabei arbeitet Grieg Seafood fleißig daran das Lachsgeschäft weiter auszubauen. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, statt im Februar nur 130 Aktien, gleich 180 bis 200 Stück zu verkaufen. Zurück auf die Watchliste.

Niu Tech:
Gehört zu der Sorte von Aktien, die einen Anlauf brauchen bis sie durchstarten. Es benötigte ein halbes Jahr Geduld (Juli 19 bis Januar 20) bis die erwartenden 30% erreicht wurden. Doch dann ging alles Ruckzuck und die Aktie liegt inzwischen bei 164% im Plus und ist weiterhin ein spannende Wette auf die Zukunft. Hat nach wie vor Potential.

3D Systems: Im Januar noch bei 30%. Doch der Nachkauf der Aktie bei schwachem Kurs im August hat uns auf dem falschen Fuß erwischt. Obwohl sie zu den Marktführern beim 3D-Druck gehört und der 3D-Druck eine gute Zukunftsperspektive vorweist, ist die US-Aktie eines der Opfer der Trumpschen Corona-Katastrophe und des damit verbundenen Wirtschaftsdesasters geworden. Auch wenn diese Aktie keine typische Depotleiche ist, wie Steinhoff oder Wirecard, sollte sie nach klassischen Regeln bei -30% und einem Verlust von 570 € abgestossen werden. Allerdings neigen Technikaktien dazu, wie ich das schon mit CandianSolar und Evotec erlebt habe, bisweilen stark zu schwanken. Dennoch: Die letzten Septembertage werden über das Depot-Schicksal der 3D Systems Aktie entscheiden.

Encavis:
Diese Aktie ist gutes Beispiel dafür, dass alle 1 – 2 Quartale ähnlich wie bei den großen Börsenindizes bzw. je nach Wirtschaftslage, ein Stühlerücken im Depot angezeigt ist. In nur fünf Monaten über 40% im Plus, das macht Freude. 14 Tage nach dem Hexensabbat im März gekauft, kommt sie gut voran. In den kommenden zwei Jahren könnte sie über 100% steigen.

monatliche Entwicklung 9.2019 – 9.2020

In einem Börsenjahr kann viel passieren. Der Knick im Oktober 2019 bei 18600 € und und der allgemeine Crash im März auf 16000 € zeigt, dass bei rechtzeitiges Handeln ein Depotabsturz wie im Jahr 2016 – von 20200 zurück auf 10100 € – zumeist vermieden werden kann.

Vorschau im neuen Tab

Ernesto O.

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