Der Börsenmonat: Tipps der Börsen-Oma

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Mit dem richtigen Spürhund gegen den Börsenbär…

Wer glaubt, dass nur Männer wissen, wie ein erfolgreiches Aktieninvestment aussieht, der irrt. Beate Sander kannte sich mit der Börse bestens aus, auch wenn sie nicht so bekannt ist wie Warren Buffett. Doch sie hat ihre eigene Methode entwickelt um gute Aktien zu finden und auch hilfreiche Ratgeber zum Thema Börse verfasst.

Die kürzlich verstorbene Beate Sander, auch liebevoll als “Börsen-Oma” bezeichnet, hat es verstanden ihr Erspartes erfolgreich an der Börse in die Rente zu investieren. Beate Sander fing im Alter von 59 Jahren mit dem Aktienhandel an. 18 Jahre später war ihr Depot auf einen Wert von über zwei Millionen Euro angewachsen. In einem Focus-Interview plauderte Beate Sander aus dem „Börsen-Nähkästchen“

Im “Zaster-Magazin” finden wir die wichtigsten Börsen-Tipps von Beate Sander:

1
Erhöhe die Menge deiner Aktien pro Stück nur schrittweise, zum Beispiel 30, 50, 70 und irgendwann 100+.
2
Machst du drei- oder vierstellige Kursgewinne einzelner Aktien, solltest du Teilverkäufe erwägen, um Geld zu sichern und eventuell neue Investitionen zu tätigen.
3
Keine Position unter 1000 Euro. Sonst sind die Transaktionskosten oft so teuer, dass sich Teilverkäufe kaum lohnen.
4
Nutze Crashs, um nach- oder einzukaufen. Bei der Finanzkrise 2008 hat die Mehrheit der Anleger verkauft, was zu niedrigen Kursen geführt hat, die sich dann aber wieder rasch erholt haben.
5
Kaufe nur Aktien, die du auch bereit wärst, ein Leben lang zu behalten. Heißt: Kaufe nur, wovon du wirklich überzeugt bist.
6
Investieren, wo es nur geht. Mit vielen Aktien in unterschiedlichen Bereichen streust du dein Verlustrisiko (das können auch Papiere aus abseitigen Märkten wie etwa Russland und Lateinamerika sein).
7
Kaufe dir entsprechende Fachliteratur. Mit dem Internet allein geht es nicht. Hier verzettelt man sich sehr und alle raten etwas anderes (Zum Beispiel den „Aktien- und Börsenführerschein“, einem Klassiker, den Sander selbst geschrieben hat).
8
Wer wenig Geld zur Verfügung hat, sollte zunächst mit relativ sicheren ETFs starten. Auf diese Weise streust du deine Anlage mit einer einzigen Gebühr breit.
9
Aktien- und Börsengeschäfte haben nicht immer mit „bösem Geld“ zu tun. Du kannst auch umweltfreundlich und klimabewusst handeln und in nachhaltige Fonds investieren.
10
Zum Schluss: Verkaufe bei einem Crash niemals all deine Aktien. Du wirst es bereuen, denn danach geht es irgendwann immer bergauf und du hast dann das Nachsehen.

Diese Tipps hören sich vielversprechend an. Grund genug für Der Börsenmonat das aktuell laufende Musterdepot dem 10 Regel-Check nach Börsen-Oma-Sander zu unterziehen:

1
Erhöhe die Menge deiner Aktien pro Stück nur schrittweise, zum Beispiel 30, 50, 70 und irgendwann 100+
Richtig – schrittweise Einkaufen, denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wieviele Aktien gekauft werden ist abhängig vom Einkaufspreis der einzelnen Aktienstücke und der Größe des Depots. Aktien sollten in der Regel zunächst nur 5-10% Anteil am Gesamtdepot haben. Lediglich zwei Aktien des Musterdepots sind über 10% gewichtet. Niu Tech 160 St. = 20% und Encavis 400 St. = 32%. Wenn der Anteil einer Aktie ein Drittel des gesamten Aktienpaketes überschreitet, verringert ein Teilverkauf das Abwärtsrisiko. Sollte Encavis weiter steigen (bis 20€) werden 100 Stücke veräußert.

2
Machst du drei- oder vierstellige Kursgewinne einzelner Aktien, solltest du Teilverkäufe erwägen, um Geld zu sichern und eventuell neue Investitionen zu tätigen.
Sehr sinnvoll! Nachdem ich 240 Stück Jinko Solar 2018/12 für 9,90 ins Depot aufgenommen hatte, stieg die Aktie auf 21,20 im Juni 19. Das sind + 114%! Im Okt. 19 bei 13,20 entnervt verkauft. Hätten ich nachdem die Aktie auf 90% (19,20€) zurückfiel die Hälfte verkauft, wären 720€ mehr im Portemonnaie geblieben. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich schon einmal 2012 mit Jinko Solar gemacht. Solaraktien oszillieren gerne, deshalb heißt es nach auffälligen Kursanstiegen durch Teilverkäufe Gewinne sichern. Weitere Aktien mit großer Performance sind Sony (169%), da wurde im März schon die Hälfte der Anteile bei 60 € realisiert. Jetzt steht die Aktie über 70€, dennoch steht der restliche Gewinn zur Disposition. Der Verkauf der Playstation 5 läuft vermutlich bis Weihnachten gut weiter. 2021 könnte es also auch mal mit Sony wieder bergab gehen, dann darf Sony den Platz für eine andere Aktie räumen. Der „Elektro Vespa Roller“ und E-Bike Produzent Niu Tech hat mit +333% den Vogel abgeschossen. Bevor hier ein Teilverkauf stattfindet ist allerdings zu bedenken, dass Niu Tech auch 2021 weiterhin eine Wachstumsaktie bleibt und in Zukunft der komplette Zweiradmarkt weltweit weitgehend elektrifiziert wird. Da spekulieren wir einfach weiter auf 30 €, dann ist ein Teilverkauf fällig.
Es müssen nicht immer dreistellige Zuwächse sein um einen Teilverkauf vorzunehmen. Encavis am 4. März 500 Aktien gekauft und Ende April nach +15% schon wieder 100 St. verkauft. Hätte ich die 100 St. im Depot behalten würden heute knapp 600 € mehr zu Buche stehen. Da Encavis aber rasch 35% des Depotanteils erreichte, war ein Teilverkauf durchaus angezeigt, denn Rücksitzer an der Börse treffen immer wieder die besten (wertvollsten) Aktienpakete am stärksten.
3
Keine Position unter 1000 Euro. Sonst sind die Transaktionskosten oft so teuer, dass sich Teilverkäufe kaum lohnen.
Stimmt. Wer also nur 500 € einsetzt hat, hat am Ende vielleicht nur noch 250 € – abzüglich 30-40 € Kauf- u. Verkaufsgebühren. Solche Kleinbeträge sind reines Spekulationsgeld. Ausnahmen bestätigen die Regel.

4
Nutze Crashs, um nach- oder einzukaufen. Bei der Finanzkrise 2008 hat die Mehrheit der Anleger verkauft, was zu niedrigen Kursen geführt hat, die sich dann aber wieder rasch erholt haben.
Der Solarparkbetreiber Encavis ist solch ein positives Beispiel für ein „Krisenkind“, das genau dies beweist. Es geht aber in Crashs auch andersherum, wie ich mit Yamana Gold erlebt hatte. Als ich Yamana Gold als „sichere Krisenaktie“ im Oktober 19 zu 3,27€ gekauft hatte, war die Enttäuschung sehr groß als die Goldaktie im März bei 4,20 zusammen mit dem kompletten Musterdepot 1:1 in den Corona-Keller ging. Bei 2,82€ = Verkauf! Aber manchmal ist die erste Eindruck nicht der richtige, 8 Tage später kam die Aktie zurück und kletterte bis Mitte August auf 5,66. Richtig wäre also gewesen dran zu bleiben und billig hinzu zu kaufen. Hinweis: Gold steigt gerne mit dem Markt und fällt gerne mit dem Markt. Jetzt weiß ich es.

5
Kaufe nur Aktien, die du auch bereit wärst, ein Leben lang zu behalten.
Heißt: Kaufe nur, wovon du wirklich überzeugt bist.

Der erste Satz ist wohl nur eine Hommage für Warren Buffet (und nicht unbedingt wahr), aber Teil 2 ist ein genaueren Blick wert.
Das heißt nicht, dass du an die Aktie glauben musst. (Trau keinem Wert, den du nicht schon einmal selbst verkauft hast…) In der Praxis bedeutet das: Die Aktie muss dich überzeugen und das z.B. durch eine nachhaltige Perspektive und positive Quartalszahlen. Ungeprüft Aktien einkaufen ist wie Roulette.

6
Investieren, wo es nur geht. Mit vielen Aktien in unterschiedlichen Bereichen streust du dein Verlustrisiko (das können auch Papiere aus abseitigen Märkten wie etwa Russland und Lateinamerika sein).
Das Musterdepot ist global aufgestellt und noch wichtiger in diversen Branchen gestreut. Übergewichtete Branchen erhöhen das Verlustrisiko. Deshalb ein besonderes Auge auf die Solaraktien Encavis und Canadian Solar wegen Gefahr der Übergewichtung. Abseitig ist relativ: Das können auch schon Aktien aus Norwegen, China, Japan, Italien oder Zypern sein.

7
Kaufe dir entsprechende Fachliteratur( zum Beispiel den „Aktien- und Börsenführerschein“, einen Klassiker, den Sander selbst geschrieben hat). Mit dem Internet allein geht es nicht. Hier verzettelt du sich sehr schnell und alle raten etwas anderes.
Es gibt eine kaum zu überschauende Anzahl an Literatur zum Thema Börse. Wenn es nicht von der Altmeisterin persönlich sein soll, dann geht es auch für Neueinsteiger mit „Börse Für Dummies“ von Christine Bortenlänger ein hilfreiches Buch zum Einstieg.

8
Wer wenig Geld zur Verfügung hat, sollte zunächst mit relativ sicheren ETFs starten. Auf diese Weise streust du deine Anlage mit einer einzigen Gebühr breit.
Wer keine 1000 € zusammen hat kann es tatsächlich zuerst einmal mit einem ETF auf den DAX versuchen. Das Börsen Musterdepot startet üblicherweise zu Beginn (zuletzt 2012) mit 4000 – 5000 €, so dass man sich 4 -5 ausgewählte Aktien ins Depot legen kann.

9
Aktien- und Börsengeschäfte haben nicht immer mit „bösem Geld“ zu tun. Du kannst auch umweltfreundlich und klimabewusst handeln und in nachhaltige Fonds investieren.
Natürlich geht das, aber Lehrgeld wird jede(r) mal zahlen müssen. Mein Musterdepot aus der ersten Dekade von 2002 -2011 steckt alles Geld komplett in Solar und pushte zwar ab 2004 die 4000€ bis auf 33000 €, doch als ich dann Australien die schmutzige Steinkohle austreiben wollte hatte ich schnell 9000,- € in den Sand gesetzt weil die Regierung lieber das schwarze Gold unterstützte statt in Solverdi („grüne Sonne“) zu subventionieren. Nein die Welt kannst du nicht im Hau Ruck Verfahren retten, wenn der Regierung des Landes das Klima völlig egal ist und lieber riesigen Waldbränden tatenlos zusieht. Ende 2011 war dann auch Ende für das erste Börsenmonat Musterdepot. +1% nach 10 Jahren. (Umwelt-)Bewußtes und Ethisches Investitionen machen dennoch mit entsprechendem Augenmaß Sinn.

10
Zum Schluss: Verkaufe bei einem Crash niemals all deine Aktien. Du wirst es bereuen, denn danach geht es irgendwann immer bergauf und du hast dann das Nachsehen.
Tabula Rasa heißt bei 0 anfangen. Aber jeden Monat das Fallobst ausschneiden und/oder gegen frisches Obst ersetzen ist hilfreich. Eine neue Aktie pro Monat (ggf. im Austausch gegen die potenziell schwächste) bedeutet auch jeden Monat eine neue Chance.


Beate Sander hat ausserdem eine durchgängige Strategie für den Kauf und Verkauf von Aktien entwickelt, die sogenannte „Hoch/Tief-Mut-Strategie“
Ihr Erfolg basiert nicht auf Zufall, sondern auf einer klaren Linie, die auch Kleinanleger/innen befolgen können. Das sind die wichtigsten Eckpunkte:

  • Die wichtigste Regel in Beate Sanders Strategie lautet: „Bleibe mutig, wenn die anderen ängstlich werden.“
  • Sie kauft Aktien breit gestreut nach Ländern, Branchen, Indizes. Sie investiert zu verschiedenen Zeitpunkten, mischt große, mittlere und kleine Werte, Value-Aktien und Wachstumswerte. Sie hat etwa 120 Titel in ihrem Depot.
  • Chancenreiche Aktien erwirbt sie zu günstigen Kursen, wie aktuell im Corona-Crash.
  • Die Dividenden legt sie konsequent wieder an. Sie bevorzugt Titel mit verlässlichen, möglichst steigenden Dividenden-Ausschüttungen.
  • Etwa ein Drittel des Kapitals investierte sie in substanz- und dividendenstarke, nachhaltige, defensive und fair bewertete Value-Aktien. Ein weiteres Drittel fließt mit Blick auf Kurs, Dividende und Zukunftschancen in Titel weltweit. Das letzte Drittel ist für wachstumsstarke, offensive, konjunkturabhängige Growth-Aktien reserviert.
  • Diese Strategie half ihr in 18 Jahren aus 30.000 € Startkapital 2.000.000 € Aktienkapital zu generieren.

Beate Sander hatte auch immer flotte Sprüche auf Lager:

  • Meine besten Pferde bleiben im Stall“
  • „Breit gestreut, nie bereut“
  • „Ein lahmer DAX ist alles andere als ein Rennpferd.
  • “Schrotthaufen fliegen raus”
  • “ein Crash ist gut für Leute mit Mut”

Doch in einem Punkt unterscheide ich mich von der Beate-Sander-Strategie. Ich bin kein Freund von ETF´s, denn ein Index-ETF z.B. auf den DAX mindert zwar das Verlustrisiko, weil ein ETF alle 30 DAX Aktien kauft, aber er kann dann auch praktisch nicht den Index outperformen. Jedoch genau darum geht es beim Börsenmonat Musterdepot! Der Vorsprung gegenüber dem DAX liegt für das laufende Jahr bei soliden 15% (Depot: 13,6%, DAX: -1,4%).

Ernesto O.

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