Der Börsenmonat – Mai 21

#Börsenmonat #Boersenmonat

Wer sich mit Fußball und Börse beschäftigt, hat sich vielleicht schon einmal die Frage gestellt: Genügt eine Fußballmannschaft voll Aktien um an der Börse auf Dauer erfolgreich zu sein?


Wie jeder Fußballverein weiß, ist es mit den 11 Leuten auf dem Platz nicht getan, da benötigt es die Reservebank und einiges mehr um erfolgreich eine Saison zu Ende zu spielen. Ebenso einen guten Trainer oder eine gute Trainerin, die mit einer geschickten Spielanlange ihre Strategien in Siege und Punkte verwandeln können. Ähnliches gilt für ein Börsendepot. Beate Sander („die Börsen-Oma“)hat mit ihrer Hoch-Tief-Mut-Strategie große Erfolge erzielt, allerdings dafür auch 100 bis 200 Aktien im Depot gehalten, was übertragen auf den Sport eher einem Dutzend Bundesligamannschaften entspricht. Meine Philosophie ist es hingegen: Was nicht auf einem Bildschirm einer Excel-Datei abgebildet werden kann, braucht es auch nicht für den Erfolg an der Börse. Dies bedeutet mit 20-25 Aktien sollte ein Depot bereits so gut aufgestellt sein, dass es erfolgreich in den oberen Regionen mitspielen kann. Dabei sollte aber auch die Regel gelten „Der Mix macht es!“.
Hier hat mein Musterdepot (Start: 2012 – 4100 € Einsatz) jedoch ein Handikap mitgebracht, das ich heute ändern würde. Es gelang mir zwar ohne neues Kapital nachzuschieben das eingesetzte Startkapital in 9 Jahren zu verachtfachen, aber hätte ich 2012 mit 30000 € wie die Börsen-Oma gestartet, wären das im Vergleich 240000 € und in 18 Jahren dann bei gleich gutem wirtschaften fast zwei Millionen geworden. Erwähnenswert ist dabei, dass seit 2012, der Wert des Muster-Depots immer nach Steuern, d.h. nach Abzug der Steuern für etwaige Dividenden und die mit Gewinn veräußerten Aktien berechnet wurde – was auch in der Realität so ist. Dabei überstand das Depot im Jahr 2016 sogar einen tiefen Einbruch von 50% über das ganze Jahr (Chinakrise, Brexit und Trumpwahl) und ging im Frühjahr 2020 durch die Corona-Krise nochmal 21% in Knie ging.

Mit welcher Strategie würde ich heute an die Börse gehen?

Alle, die an die Börse gehen, sollten sich darüber klar werden, dass du weder in kurzer Zeit Börsen-Millionär werden kannst, noch die Auswahl deiner Aktien die Welt retten wird. Was aber geht, ist es dir auf die Dauer eine „Rente“ zu erwirtschaften, mit der du zuerst kleinere und nach und nach auch größere und große Wünsche oder Bedürfnisse befriedigen kannst.

Schritt 1:
Wäre ich also heute Neueinsteiger-in, so würde ich entsprechend meinem Lebensalter ( 100 Euro pro Jahr; 40 Jahre = 4000 €) Startkapital investieren oder mir alternativ so rasch wie möglich 1200 € freischaufeln (pro Quartal wenigstens 300 €) um damit an der Börse anzufangen. Wenn dieser Betrag auf das Verrechnungskonto des Depots (Empfehlung Online-Bank wie z.B. die Comdirect) überwiesen ist kann es losgehen. Dann ein solides Börsenschwergewicht wie z. B. Apple oder Sony kaufen und einen Weg suchen um so rasch wie möglich das Depot auf fünf verschiedene Aktien verteilen. Keine Aktiengesellschaft sollte mehr als ein Drittel im Depot gewichtet sein, denn falls sich eine Pleiteaktie wie jüngst „Wirecard“ darin verstecken sollte, stürzt das ganze Depot nachhaltig ab.

Schritt 2:
Das bedeutet für alle neu Eingestiegenen zunächst einmal, dass sie für ihre 1200 € aber nur Anteile für eine Aktie bekommen und ggf. mehrere Jahre warten müssten bis die Aktie sich auszahlt. So lässt sich aber kein nachhaltiges Wachstum generieren, zumal dann der Gewinn noch mit ca. 25% Kapitalertragsteuer versteuert werden muss. Hieraus lässt sich aber ein sinnvoller Plan zur Entwicklung des Börsendepot erstellen. Der Staat gewährt nämlich einen jährlichen Sparer-Pauschbetrag von 801 € für Kapitalerträge für Steuerpflichtige bzw. 1602 € für gemeinsam veranlagte Paare. Warum also nicht jedes Jahr das Börsendepot zusätzlich mit 800 bzw. 1600 € füttern, das entspricht 70 – 140 € im Monat. Somit landen nach 10 Jahren zusätzlich 8 – 16000 € auf dem Verrechnungskonto des Börsendepots. Wer sich in den ersten fünf Jahren stärker anstrengt und zu dem Einstand von 1200 € fünf lang Jahre 1760 € dazu fügt, hat bereits im sechsten Jahr 10 000 € im Depot und sollte es so gut wie mein Musterdepot laufen, könnte das Depot weitere neun Jahre später mit 80 000 € dastehen. Zugleich kann ab dem sechsten Jahr auch wieder die jährlich Sparrate problemlos auf 800 € ( 70-80 € pro Monat) gesenkt werden. Fünf Jahre sind auch lange genug um das Börsendepot über die Schwelle von fünf verschiedenen Aktienpaketen (ca. 1000 € oder 5x 20% Anteilspaket) zu hiefen, so dass ein gewisses Gleichgewicht im Depot einstellt. Bei voller Auslastung und guter Diversifizierung der Aktienpakete sind sogar 8 – 12 verschiedene Investments in Aktien möglich.

Schritt 3:
Durch den jährlichen Zuschuss von 800 – 1600 € können auch jedes Jahr neue Aktienpakete eingekauft werden für den Fall, dass das Aktien-Depot zeitweise in Tristesse verfällt. Dabei gilt die Regel: „Der Mix macht’s“.
Am Beispiel Börsenmonat-Depot zeigt sich dies folgendermaßen: 13 Aktien sind auf sieben Länder (D, GB, IRL, USA, CN, JP, CAN) und acht Branchen (Industrie, Mobilität, Banken, Konsumer-Elektronik, Sport & Mode, Erneuerbare Energien, Kommunikation, Chemie & Pharma) aufgeteilt. Dabei sind einerseits „Burggraben“-Firmen wie Sony, Bayer, Vodafone, Anta Sports und Apple (=38%) und andererseits Wachstumsaktien wie Varta, Niu Tech und Encavis (=36%) , sowie eine riskantere Sektion mit 3D-Systems, Solarparken, Xphyto, ITM Power (= 18%) und eine schwer einzuschätzende Aktie wie die Bankaktie der Bank of Ireland (=8%). Diversifikation ist eben der halbe Erfolg.

Schritt 4:
Wie gesagt: Wer denkt, er oder sie müsse oder könne durch ein Börsen-Depot schnell Millionär/in werden, begeht rasch Denkfehler, die ich in den letzten 21 Jahren meiner Erfahrung mit der Börse alle schon „freiwillig“ unfreiwillig durchgetestet habe. Es geht also wie im Fußball immer um das nächste Spiel (Woche/Monat) die ausstehende oder kommende Saison (Quartale/Jahr). Erstrebenswert ist es zunächst einmal kleine Brötchen zu backen, etwa 200 € pro Monat bzw. 2000 bis 2500 € an Gewinn pro Jahr. Damit lässt sich auch der DAX schlagen und das schöne an einem wachsenden Depot ist, dass bisweilen auch Aktien im Depot sind, die mehr als 100% oder noch mehr Prozent steigen, so dass ein Teilverkauf den Einkaufspreis zurück bringt. Auch wenn der Staat vom Gewinn seinen Steueranteil verlangt, fällt ab und an etwas für einen lang ersehnten Wunsch oder für eine benötigte Anschaffung ab.

Der Blick auf die Depotentwicklung seit 2012 zeigt, dass eine Vervielfachung des Einsatzes (4100 €) und zugleich ein deutlicher Performance-Vorspung gegenüber dem DAX und dem MSCI World nur mit Aktien allein (keine ETFs etc möglich ist, Steuern nach Gewinnen bereits abgerechnet) möglich ist.

Börsenmonat-Musterdepot 2012- 4/2021

und ein Blick auf die aktuellen Einzelwerte:


Aktie – gekauft – Performance – Aktionen u. Anmerkungen Mai 21


3D Systems: seit Dez 19 +208%, schwächelte im April, bereits teilverkauft – halten

Varta: seit Feb.21 -5% schwächelte im April, da ist noch Luft nach oben – Porsche Kunde?

Sony: Juli 2016 +210% schwächelte im April, bereits teilverkauft – läuft, wieder – Eintstiegschance?

Bayer: neu – April 21 + 1% brachte gerade Dividende beobachten – was bringt der Vergleich vor Gericht?

Niu Tech: Juli 2019 +413% und läuft und läuft bereits teilverkauft – einfach weiter halten

7C Solarparken: Nov. 20 – 2% will nicht recht grüne Zukunft, bei Schwäche Zukauf

Vodafone: Nov. 20 +13% ist für Telekomwert Ok bis zum Ziel von 2,10 ist noch Luft

Xphyto: April 21 +2% schon 2ter Versuch jetzt für 1,60 statt 2,07 € wieder gekauft – neu: hat schnellste PCR-Tests

Encavis: seit März 20 +64% Dauerlutscher bereits Teilverkäufe – bei Schwäche erneut Nachkauf

Anta Sports: Dez 19 +81% steigt regelmäßig mäßig könnte der nächste 100%ter werden

Apple: seit Nov 20 +8% trotz guter Zahlen müde 8% seit November – könnte auch der DAX sein

ITM Power: Aug. 20 +91% schwankt leider deutlich, aber ein sehr guter Wasserstoff-Wert dank Linde


Bank of Ireland: Aug. 20 +160% Hit des Monats Einkauf für 988 € – Ziel: 6 € bleibt bestehen – Teilverkauf kann warten

Hinweis: Ich gebe keine Kaufempfehlung für die Aktien im Börsenmonat-Depot ab. Die Anmerkungen sind meine aktuelle Meinung zu den Werten, die sich im Laufe der kommenden Monate natürlich auch ändern kann.

Der Mai ist gekommen

… die Bäume schlagen aus. An der Börse hört man aber nun: „Sell in May and come back in September“ – nur ein Börsenspruch – oder ist was dran an der Warnung?
Statistisch ist es tatsächlich so, dass von Mai bis die Oktober das schlechtere Halbjahr an den Börsen stattfindet. Von November bis April sind die Kursanstiege in der Tat etwas größer, was nun zur Vorsicht mahnt aber dieses Jahr nicht so sein muss und ausserdem: Sind die Kurse niedriger kann günstiger eingekauft werden. Die gefährlichsten Monate des Jahres sind August und September. Nimmt man als Maß die Quartalszahlen und kann beobachten, dass nach guten Zahlen die Kurse nicht steigen oder Gewinnmitnahmen erfolgen, dann ist doppelte Vorsicht geboten. Ein Blick auf den VDAX kann hier hilfreich sein. Dieser hat sich mühsam seit Februar von 30 auf 17,5 herunter gearbeitet ist aber gestern wieder um 14% nach oben auf 23 Punkte gesprungen.

Die statistischen Vorhersagen sind also verhalten für die nächsten Monate.
Ob der sich DAX daran orientieren wird bleibt ab zu warten.

Mai – Oktober im Börsenmonat-Depot-Vergleich
2012: -2%
2013: +103%
2014: -3%
2015: +17%
2016: -20%
2017: +58%
2018: +9%
2019: -7%
2020: +19%
2021: ?

Beim Börsenmonat-Depot-Vergleich zeigt sich zwar die positive Gesamtbilanz seit 2012 auch in der statistisch schlechteren Jahreshälfte, aber es ist schon auffällig, dass fast ein über das andere Jahr ein negatives Halbjahr uns in die Suppe spuckte. Wie lässt sich dagegen ansteuern? Dafür gibt es kein Patentrezept, aber noch mal: Wer voll investiert ist darf jetzt einige Gewinne mitnehmen, Positionen reduzieren, ggf. auch auflösen und die Cashquote erhöhen. Damit lassen sich bis in den Herbst hinein ausgewählte Aktien billiger einsammeln, die ihre Tiefpunkte im Sommer durchlaufen haben. Wer jetzt Pulver trocken hält bekommt im Herbst und im Winter wieder neue Chancen auf Kurssteigerungen und Chartraketen.

Ernesto O.

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