Der Börsenmonat – Herbst?


#Boersenmonat – Ein Blog für die Kleinanlegerin und den Kleinanleger.

Am 1. September beginnt der meteorologische Herbst, der astronomische Herbst folgt am 22. September, und am Freitag, dem 17. September ist Hexensabbat.

Gibt es es an der Börse Jahreszeiten?

Eine interessante Frage, die bei genauerer Recherche einige Überraschungen aufdeckt. Es ist schon ein bisschen wie mit der Wetter- und Klimadiskussion. Obwohl die Wissenschaft seit Jahren Belege für eine Klimaerwärmung und die gefährliche Rolle der Menschheit abliefert, erzählen uns ein paar „Polit-Störche“, dass dies alles nicht stimmt, weil dieser Sommer in Mitteleuropa ja, „ach so nass und kalt ist“. Aber mal ehrlich: Nur weil Schalke in der letzten Bundesligasaison gerade einmal 25 Törchen geschossen hat, bedeutet das nicht, dass es eine schrecklich Tor-arme Bundesliga-Saison war. Der FC Bayern hat ja schließlich 99 Tore eingenetzt. Während die Tor-Statistik der Bundesliga keinen Trend zu mehr Toren, eher zu weniger Toren pro Spiel aufweist ist das beim Weltklima nicht so. Die Temperaturerwämung der vergangenen 250 Jahren ist eindeutig identifizierbar. So verwundert es nicht dass eine nachhaltige Klimaänderung ebenso wie eine anhaltende Spekulation auf Rohstoffe sich in den Börsen-Statistiken niederschlägt. Diese Strömungen in den Aktienkurse sind zwar weniger eindeutig zu erkennen, aber es gibt auch hier Faktoren wie beim Fußball oder beim Wetter, die für das Auf- und Ab an der Börse bestimmend sind.

Hier sind vor allem die grundlegende Aufwärtsspirale der Märkte, der saisonale Trendwechsel, die Quartale mit ihren Berichtsmonaten, die ungezügelte Rohstoffspekulation und die Finanzpolitik der Zentralbanken und Regierungen zu nennen.

  1. Die Aufwärtsspirale der Märkte oder die „immerwährende Hausse“
Immerwährende Hausse?

Diese immerwährende Hausse ist jedoch nur scheinbar und ihr Motor ist nicht die Sonne, sondern die Inflation bzw. die wachsende Geldmenge. Dehnen wir die Zeitachse dieses Diagramms weit genug auseinander so erkennen wir die dunklen Börsen-Wetterperioden. Die regelmäßig wiederkehrenden Crashs und Korrekturen , allein in letzten 20 Jahren mehrfach: 2000 – 03/2003, 2008/09, 2011, 2016, 2020… In Wirklichkeit bewegen sich die Märkte in einer unregelmäßigen Aufwärtsspirale ➿und das seit 200 Jahren. Grob vereinfacht – die Indizes steigen um X Punkte, um dann nach einiger Zeit wieder bis zu 50% zu fallen, um dann wieder irgendwann über das alte Rekordhoch zu steigen, so dass eben eine unregelmäßige Aufwärtsspirale entsteht.

Beispiel DAX seit 1988

In einer breiten Range (s. Autobahnmodell und Börsenuhr) schiebt der DAX sich Spirale um Spirale nach oben, seit 1988 inzwischen vier Mal so geschehen. Nachdem der DAX sich bis zu einem scheinbar finalen Rekordhoch gekämpft hat, dreht er am TOP und geht oft in eine Steilkehre nach unten, wo er an einem Tiefpunkt (s. Abwärtspfeile) die Kurve wieder nach oben nimmt um eines Tages ein neues Rekordhoch zu markieren und von dort das Spiel von neuem beginnt. Am nächsten jedoch nie präzise vorhersagbaren Tiefpunkt startet dann die neue Aufwärtsspirale des DAX. Bei der Markierung der neuen Zwischentiefs kann das neue Tief sogar tiefer sein als das letzte Zwischentief, so geschehen im März 2020. Zugleich hat die Volatilität der Aufwärtsspirale in den vergangenen zwanzig Jahren leicht zugenommen, sowohl in der Auslenkung (Übertreibung und Untertreibung der Märkte) als auch im Zeitfenster (die Abstände der Extreme werden tendenziell kürzer).

2. Gutes und schlechtes Halbjahr
Neben den ganzen großen Trends im „Börsenklima“ gibt es noch einige kleinere „Wettereinflüsse“. Hier können wir das starke gegen das schwache Halbjahr abgrenzen. In der Tat läßt sich feststellen, dass die Märkte eine schlechtere und eine bessere Jahreshälfte kennen. Der Spruch „Sell in Mai…“ scheint hier eine grundsätzliche Erfahrung an der Börse widerzuspiegeln.

Meine Gewinn- und Verlustmonate Statistik für die letzten 19 Jahre Börsenmonat-Musterdepot kommt zum gleichen Ergebnis: Von November – April läuft es an der Börse besser! 60 : 34 Monate für Gewinne, während die Zeit von Mai bis Oktober 50 : 41, sieben Verlustmonate mehr aber zehn Gewinnmonate weniger aufweist. Auch der aktuelle August steht auf der Kippe. Wer also die bessere Jahresperformance für das eigene Depot anstrebt, kann sich durch Cashaufbau in den Sommermonaten auf den Startschuss für die bessere Jahreshälfte vorbereiten.

3. Die Quartale mit den Berichtsmonaten

Viermal im Jahr ist Berichtssaison. Massgebend sind hier die üblichen Kalenderquartale, die im Unterschied zu den meteorologischen Jahreszeiten am 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober beginnen. In der Regel zehn Tage nach Quartalsbeginn startet die jeweilige Berichtssaison. Die meisten Quartalsberichte werden zwischen dem 10. des ersten Quartalsmonat und dem 20. des folgenden Monats abgegeben. Berichtstermine sowie die Dividenden-Tage der Unternehmen findet man am besten, in dem man bei Finanzen.net im Suchfenster den Namen der gesuchten Firma eingibt und bei der gewünschten Aktie auf Termine/Dividende/HV klickt.

So wie sich bei den Halbjahren die Erfolgschancen auf Gewinne unterschiedlich verteilen, so unterscheidet sich auch die Erfolge in den vier Quartalen. Q 1 – 28 : 10 = 2,8 Q 2 – 30 : 18 = 1,7 Q 3 – 25 : 21 = 1,2 Q 4 – 27 : 18 = 1,5 Zwar gelang es auch mir in den vergangenen 20 Jahren in allen vier Quartalen mehr erfolgreiche als verlustreiche Monatsbilanzen abzuliefern, aber die Quartale geben sich doch erkennbar unterschiedlich. Spitzenreiter ist Q 1 mit 73% Gewinn-Monaten, vor dem Q 2 mit 62,5%, und Q 4 mit 60% Erfolgsmonaten, während das Q 3 mit 54% nur knapp überhaupt die Oberhand vor den Verlustmonaten hält. Im Januar profitieren die Quartalsberichte gerne von den dem zurückliegenden positiven Jahreszahlen und wenn nicht, so doch von dem Optimismus mit dem die Unternehmen ins neue Jahr blicken.
Im April werden die Quartalsberichte gerne mit der Aussicht auf Dividenden versüßt. Im November sind negative Aussichten zumeist schon eingepreist, während positive Erwartungen Hedgefonds dazu veranlassen nochmals zuzugreifen. Die sogenannte Jahresendrallye geht auf diesen genannten Effekt zurück.
Einzig das Sommerquartal im Juli leidet immer wieder unter den unerfüllten Erwartungen (Gewinnwarnungen nach dem ersten Kalenderhalbjahr und Gewinnmitnahmen auch bei guten Zahlen vor dem Urlaub, denn es könnte ja schlimmer werden, Dividenden gibt es ja auch keine mehr…)

4. Mikroeinflüsse
Natürlich gibt es auch regelmäßig wiederkehrende den Markttrend beeinflußende Ereignisse, die sich mal harmlos, mal heftig für DAX und co.erweisen.

  • Hexensabbate am 3. Freitag im März, Juni, September und Dezember (Spekulationswetten laufen aus…) mit dem Versuch Kurse zu wenden
  • Sitzungen und Entscheidungen der Notenbanken (Zinsschraube…)
  • Währungsverwerfungen (Schweiz 2015, EU-Austritt Großbritannien)
  • Handelstreitigkeiten (Eskalation USA – China)
  • Rohstoff-Engpässe(nach Corona) und -Spekulationen(Ölpreis 2011-12)
  • Staatsschulden (Griechenlandkrise, US-Regierungs-Shutdown)

Was die Kurse einzelner Unternehmen negativ wie positiv aus der Bahn wirft ist nun auch kein Geheimnis, wird aber oft übersehen:

  • Kapitalerhöhungen
  • teuere Gerichtsprozesse (VW, Bayer, Teva…)
  • Naturkatastrophen (Allianz, Versicherer)
  • wachsende Konkurrenz
  • Gamechanger
  • Betrugsvorwürfe
  • Shortseller – Shortqueeze
  • Übernahmen
  • Geschäftsmodell beeinflußende Politik (Subventionen)
  • etc.

    Diese Einflüsse können kurzzeitig aber auch langanhaltend sein. Dies frühzeitig zu erkennen, kann Verluste vermeiden und Gewinn bescheren helfen.

Fazit:
Es gibt an der Börse keinen Frühling, Sommer, Herbst und Winter, aber es gibt tatsächlich Zeiten im Kalenderjahr, in denen der Kauf von Aktien mehr Erfolg verspricht; wie das gute Halbjahr von November bis April, das 1. 2. und 4. Kalender-Quartal, die Dividenden-Monate und die Schnäppchen-Zeit nach den Quartalsberichten. Bevor sie also eine Aktie kaufen oder verkaufen, achten sie also auf den Zustand der Börse, die Jahreszeit, die Quartalsberichte und vergessen nicht die kleinen feinen Randbedingungen aus Punkt 4.

Wie dem auch sei. Immer eine Aktie überbehalten.

Ernesto O.

Aktienkurse können fallen und einen Totalverlust des Einsatzes verursachen.
Wer dennoch ein Aktiendepot erstellen will, sollte Penny-Stocks meiden
und das Depot in verschiedene Branchen und Länder diversifizieren.

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