Das Mörderdorf MaNaGeRe

= MalNachGeRechnet =

Wir leben in seltsamen Zeiten. Seit Jahren werden in Deutschland pro Tag etwa 1 – 2 Morde begangen (2000 – 1,3 / 2018 – 1,05 das ist weniger als ein Mord auf 100 000 Einwohner pro Jahr – s. Wikipedia). Kaum aber geht es auf Wahlen zu, eskaliert das Gekreische darüber immens. Da hilft es auch wenig darauf hinzuweisen, dass die Zahl der Verkehrstoten pro Tag! auch heute noch fast 10 x so hoch ist (2000 20,5 – / 2018 – 8,9 pro Tag). Nun beginnen schon x-beliebige Leute auf Twitter damit Mörder-Rechnungen aufzumachen und uns die Angst in die Haarspitzen zu treiben. Doch es bleibt die Frage, stimmt das denn überhaupt? Wie groß ist die Gefahr eigentlich in diesem Jahr noch ermordet zu werden?

Einen besonderen Blick verdient das auf Twitter kursierende Beispiel:
Das Mörderdorf von @politikoutsider.

@politikoutsider sagt:
„Ein Beispiel: Ein Dorf hat..
10.000 Einwohner, davon sind 9.900 deutsche, 80 Menschen mit Migrationshintergrund und 20 Flüchtlinge.
Jetzt begehen 30 Deutsche einen Mord, 20 Menschen mit Migrationshintergrund und 12 Flüchtlinge.
Die Menschen mit Migrationshintergrund werden zudem den deutschen zugerechnet..

Also begehen 9.980 Menschen 50 Morde und 20 Menschen 12.
Mit den 20 Menschen hat man nicht so ein Problem, weil die deutschen ja viel mehr Morde begehen?
Sehen Sie, wie dümmlich Ihr Statement ist?“

Soweit @politikoutsider – Mal nach gerechnet:
Werfen wir einen Blick auf die Sachlage. Es gibt in Deutschland ca. 1500 Orte mit etwa
10 000 Einwohnern. Hier einige Ortschaften aus den verschiedenen Bundesländern:

Friedrichsthal/ Saarland
Wege /Nordrhein-Westfalen
Schalksmühle /Nordrhein-Westfalen
Grimmen / Mecklenburg-Vorpommern
Grevesmühlen / Mecklenburg-Vorpommern
Heiligenhafen / Schleswig-Holstein
Glückstadt / Schleswig-Holstein 
Samtgemeinde Ilmenau /Niedersachsen
Bischofswerda / Sachsen
Ottendorf-Okrilla / Sachsen
Klipphausen / Sachsen
Zwiesel / Bayern
Korb / Baden-Württemberg
Weingarten / Baden-Württemberg
Monsheim / Rheinland-Pfalz
Baumholder / Rheinland-Pfalz
Schlitz / Hessen
Steinau an der Straße / Hessen
Klötze / Sachsen-Anhalt
Osterburg(Altmark) / Sachsen-Anhalt

Möglicherweise kennen sie ja einen der Orte – an wieviele Morde dort erinnern sie sich?

Das @politikoutsider Mörder-Dorf:
10 000 Einwohner
9900 Deutsche = 30 Mörder
80 Menschen mit Migrationshintergrund (Deutsche) = 20 Mörder
20 Ausländer (Flüchtlinge) = 12 Mörder

ergibt nach @politoutsider:
9980 Deutsche = 50 Mörder
20 Flüchtlinge = 12 Mörder
_________________
Summe = 62 Mörder

Nun hat sich @politikoutsider dafür entschieden Menschen mit Migrationshintergrund zu den Deutschen zu zählen. Glück für mich, denn meine Mutter hat Wurzeln in Frankreich beim alten Erzfeind. Meine Urgroßmutter war Jüdin, Lukas Podolski hat Verbindungen nach Polen und Tamara um die Ecke hat eine türkische Mutter und einen deutschen Vater.
Warum @politikoutsider auf die Idee kommt, dass gerade 20 Migranten und 12 Flüchtlinge in dem Dorf zu Mördern werden, bleibt sein Geheimnis. Er möchte doch nicht etwa suggerieren, dass die Mehrheit der Mörder illegale Migranten (32) sind, während die braven Deutschen (30) nicht einmal mehr die Mehrheit der Mörder stellen.

Nun wie dem auch sei, rechnen wir mit seinen nackten Zahlen.

0,62% seiner Dorfbewohner wurden Mordopfer, aber nur
0,008% der Menschen in Deutschland wurden tatsächlich Mordopfer (von 2000-2108 ).
Das sind ca. 77 x weniger Morde in der Wirklichkeit, als im Mörderdorf von @politikoutsider!


...weiter mit der Mörderdorfrechnung

50/9980 begehen 50 Morde = 0,5% sind Mörder (nur jeder 200. Mörderdorf-Deutsche ist ein Mörder)
12/20 begehen 12 Morde = 60% sind Mörder (mehr als die Hälfte der Flüchtlinge – 6 v. 10 –
ein Mörder)

Selbst die Deutschen in @politikoutsiders-Mörderdorf begehen hier also 62,5x mehr Morde als in Deutschland (alle Täter inbegriffen) in den vergangenen Jahrzehnten üblich.

Besuchen wir 10 mal ein Mörderdorf-Flüchtlingsheim mit 20 Flüchtlingen nach dieser @politikoutsider-Rechnung, so werden wir 6 mal im Leichensack herausgetragen. Und wehe wir treffen statt 3 Migranten auf eine Gruppe von 4 Migranten, ja dann sind wir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit tot.

Ich will ja nicht lachen bevor die Rechnung unseres Outsiders zu Ende ist, aber von den 62 Morden wird angeblich jeder 3. Mord von der verschwindend kleinen Anzahl der Flüchtlinge im Dorf begangen. Nur zum Vergleich: Um die Mordserie des deutschen Krankenpflegers Niels Högel einzuholen (über 100 Morde zw. 1999 und 2005), müssten die 20 Flüchtlinge des Politoutsiders fast 10 Jahre lang kriminelle Schwerstarbeit leisten und jedes Jahr 10 -11 Dorfbewohner ermorden – was rein technisch nicht geht, da die Aufklärungsquote bei Mord über 95% liegt und Gitterstäbe im Gefängnis die nächsten Morde verhindern würden – , das macht sogar einen Edgar Wallace Krimi zum kleinen Licht. In meinem Heimatort und den drei Nachbarorten leben zusammen ca. 60 000 Einwohner. Weder 2018, noch 2019 gab hier einen Mord und das obwohl ich täglich Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund begegne.

Hier schreibe ich und kann nicht anders: LOL

Fazit:
1. Das @politikoutsider Mörderdorf ist ein völlig weltfremdes Beispiel. Nur die wenigsten Dörfer dieser Größenordnung haben überhaupt Flüchtlinge.

2. Die angenommenen Mordzahlen setzen einen handfesten Bürgerkrieg voraus – wo bitte gibt es einen Bürgerkrieg in Europa? Weder die IRA in England noch die ETA in Spanien hat je die Performance der Mörderdorf-Statistik erreicht und islamistische Attacken haben mit der Niederlage in Syrien schlagartig abgenommen.

3. Die Mär vom mordlüsternen Flüchtling ist vor allem eins – rassistische Hetze!

4. Welche Motive @politikoutsider zu seinen mathematischen Unsinn-Eskapaden antreiben, muss er selbst beantworten, Sarrazin lügt jedenfalls geschickter.

 

…und da wagt sich @politikoutsider zu sagen:  „Sehen Sie, wie dümmlich Ihr Statement ist?“

Ich sage das „doofe Mörderdorf“ findet sicher nicht den Weg in die deutschen Mathematikbücher, jedenfalls nicht vor der nächsten Machtergreifung.

 

LOL

 

Ernesto O.

 

 

Lesezeit am Mittwoch

Nichts würde deutscher an Deutschland, wenn die AfD die Kanzlerin stellte. Dass unsere Kinder wieder früher heiraten und sich kleine Idyllen aufbauen, wird daran nichts ändern. Als Seelenrefugium, verniedlicht mit einer feinen Portion schwedischem Bullerbü, wird das deutsche Idyll noch lange seinen Dienst tun. Aber es wird eben nur ein Gefühl innerhalb einer alles umfassenden world.com sein, mitnichten etwas, was eine eigene Identität beanspruchen kann.

Aus Jäger, Hirten, Kritiker
Richard David Precht
2018 Goldmann

Ernesto O.

Bin ich jetzt authentisch?

…muss das auch noch sein? Nein. Ich bin nicht Loriot.

Auf Twitter begegnen uns immer wieder Leute,

  • die sind keine Leute
  • die sind Fakes
  • haben Fake-Profile
  • sind in Wirklichkeit Bots
  • nur Influencer
  • posten nach einer Masche
  • wollen sich augenscheinlich bei bestimmten Gruppen lieb Kind machen
  • usw.

Was Ihnen allermeist fehlt ist eine authentische Persönlichkeit. Mit ihren Profilbildern heften sie sich bestimmte „Eigenschaften“ ans Revers, z.B. Kreuzritter, Göre, Krokodil, Promi, Gelbweste, Antifa, Pegida, anderes Geschlecht, andere Herkunft, anderer Glauben etc. Ob und in wie weit es sich lohnt mit solchen „Persönlichkeiten“ zu kommunizieren muss jeder für sich selbst entscheiden. Was diesen „Persönlichkeiten“ aber fehlt ist Authentizität. Wenn sie also prüfen wollen wie echt ihr Twitter-Gegenüber ist, dann lohnt sich die Plausibilätstprüfung der angebotenen Echtheit.

Die Authentizität eines Menschen bedeutet, sich entsprechend dem wahren Selbst, d. h. seinen/ihren Werten, Gedanken, Gefühlen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und zu handeln und sich nicht durch externe Einflüsse steuern zu lassen. Die Echtheit (Authentizität) einer Person wird jedoch häufig durch Manipulation, Gruppenzwang und wirtschaftliche Fremdbestimmung beschädigt.

Kriterien der Authentizität:
(nach Kernis und Goldmann)

Bewusstsein

  • Ich kenne meine Stärken
  • Ich kenne meine Schwächen
  • Ich weiß um meine Gefühle und Motive für mein Verhalten.
  • Ich betreibe Selbsterkenntnis und Selbstreflexion(durch Selbst- und Fremdwahrnehmung)
  • Ich mache mich und mir selbst mein Handeln bewusst

Ehrlichkeit

  • Ich blicke der ungeschminkten Realität ins Auge
  • Ich akzeptiere auch unangenehme Rückmeldungen, die mein eigenes Selbstverständnis treffen.

Konsequenz

  • Ich handele nach meinen Werten und Überzeugungen, die ich auch offen lege.
  • Ich gebe nicht den Opportunist.
  • Diese gilt auch für den Fall, dass ich mir dadurch Nachteile einhandle.(Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Aufrichtigkeit

  • Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen
  • Ich verleugne mich nicht (Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Probleme

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“ und strahlt in der Öffentlichkeit aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. („Die immer lacht“, weint ja auch nur wenn sie alleine ist…)

Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln.

Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren. (Das Harald Juhnke-Phänomen)

Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie klischeehaft und wird kitschig. Andernfalls erscheint sie auch als künstlerisch gekonnt.

Das Petrus-Claudius-Problem


Zu meiner Echtheit gehört es auch Nachteile in Kauf zu nehmen – oder?
Gut und ehrenwert, aber es ist ein nutzloses Opfer an meine Authentizität, wenn ich mich dadurch in eine lebensgefährliche Situation bringe.

Beispiele:

Petrus hat Jesus „3 mal verleugnet bevor der Hahn krähte“ Zu Recht, er wusste um die lebensbedrohende Situation! Gut möglich, dass es das Christentum sonst nie gegeben hätte.

… als die römische Prätorianer-Wache am 24. Januar 41 den verhassten Kaiser und Tyrannen Caligula in den Kellergängen eines Theaters ermorden, versteckt sich der physisch kranke Claudius aus Angst vor den Gewaltakten der Soldaten. Hätte sich Claudius schützend vor seinen Verwandten gestellt, hätten die Prätorianer ihn genauso ermordet, stattdessen machen sie ihn – die vermeintliche Witzfigur – zum neuen Kaiser.

…. Harald Juhnke hatte große Probleme mit dem Alkohol, nach aussen war er für das TV-Publikum aber immer fröhlich und lustig. Zwar eine Schein-Fassade, aber das war das Geschenk an sein Publikum und es war dankbar dafür. (Ähnliches galt für den Star Roy Black, der depressiv war, aber die Fans durch seine scheinbare Echtheit begeisterte.
Amy Winehouse? Sie bekam für ihren „Back to Black“ Look Beifall vom „Influencer Lagerfeld“ und trieb sich durch selbstverletzendes Verhalten schließlich in den Tod.

… Niemand wird James Bond 007 Echtheit abstreiten, obwohl er bisweilen alle Mittel der Tarnung und Täuschung verwendet.

… und um dem KZ zu entkommen, hätte ich alles getan, um meine wahre Identität zu verbergen.

Also dann seien sie jetzt mal authentisch, aber mit Augenmaß und Selbstbewusstsein.


🤔Ernesto O.

Hätte, hätte, Fahrradkette am 13. Februar

Hätte ich als Kind nicht Flügelhorn gelernt, würde ich heute nicht den Bass spielen;
hätte ich nicht in der Waschküche mein eigenes Labor gehabt, hätte ich auch nie Naturwissenschaften studiert;
hätten die Ärzte an der Charité nicht intensiv geforscht, wäre das Tuberkelbazillus nicht so rasch entdeckt worden;
hätte der Börsencrash am Black Friday 1929 nicht stattgefunden, wäre Hitler nicht an die Macht gekommen;
hätten die Nazis keinen Weltkrieg vom Zaun gebrochen, wäre Deutschland 1945 nicht gevierteilt worden;
hätten Hitler und seine Vasallen an Weihnachten 44 eingesehen, dass der Endsieg eine verblendete Illusion ist, wäre Dresden auch 1945 eine blühende Stadt geblieben;
hätte Gorbatschow 1989 nicht erkannt, dass friedliche Koexistenz der Völker besser ist als Kalter Krieg, würde der Eiserne Vorhang heute immer noch Europa spalten;
würde die chemische Industrie einsehen, dass weniger Gift gut für eine bessere Biosphäre ist, würden wir heute nicht über das Bienensterben jammern müssen.

und würden Trump, Putin und die anderen Atommächte (China, England, Frankreich et. al) einsehen, dass ein atomares Aufrüsten, bei dem bestehenden vielfachen Overkill nutzlos ist, würden sie die zig Milliarden in die Aufrüstung des Wohlstands der armen Menschen stecken und dafür Glück und Prosperität für alle ernten.

Ernesto O.

Zitat

Früher und Heute

Früher
… hatten die Leute Geld oder kein Geld.
Wer kein Geld hatte, war arm.
Wer Geld hatte, war reich.

Heute
… haben wenige Leute viel mehr Geld
und viele Menschen nur wenig Geld.
Wer heute kein Geld hat ist – nach wie vor – arm.
Wer heute Geld hat, ist viel reicher als früher,
will aber den Armen meist noch weniger geben als früher.

Mein Traum für Morgen
… werden alle Menschen genug Geld haben,
soviel dass niemand mehr danach fragt.
Damit dies geschieht muss ein Anfang gemacht werden
und das Geld fair an alle verteilt werden.

Übermorgen
… werden die Reichen sich darauf konzentrieren
diese Welt glücklicher zu machen
und die Armen, die es dann nicht mehr gibt,
auch.

Ernesto O.

Früher und Heute

Ein unpolitisches Gedicht

Ein unpolitisches Gedicht

Wer mit Absicht
ohne Aussicht
wenig Umsicht
und Rücksicht
oder Einsicht

Hat die Durchsicht
bei Ansicht
und Nachsicht
ohne Vorsicht
völlig außer Sicht

Auch aus der Fernsicht
keine Weitsicht
oder Weitblick
Rundblick
Überblick
und kein Geschick
für den Poli T(r)ick

Horrormalereien an der Wand
haben vielen das Gehirn verbrannt.

😉

Ernesto O.

World-Tell-O-Scope: Oktober 18

World-Tell-O-Scope:  Oktober 18

Online-Medien wie „Tichys Einblick“ oder „Ach gut“ kennen sie wahrscheinlich schon. Wenn nicht, auch gut. Das besondere an diesen und vielen ähnlichen Medien ist, dass sie sich aufklärerisch geben, aber vor allem eins verbreiten: Meinung, Meinung, Meinung. Hinzu kommt, dass diese Autoren zumeist politische Schlagseite haben und an Fakten nur Interesse haben wenn sie gut in das eigene Weltbild passen.

WorldTellOScope hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht zu kommentieren, sondern die Wirksamkeit der  Fakten des zurückliegenden Monats zu begutachten und für den kommenden Monat das festzuhalten was wahrscheinlich oder möglicherweise daraus folgen wird. Im Prinzip betreibt  World-Tell-O-Scope eine Art monatliche Chartanalyse der Weltpolitik.   

Der Blick zurück in den September liefert die Basis für das was im Oktober passieren wird.  Die interessantesten „Polit-Märkte“ sind zur Zeit die USA, Deutschland und die EU, die Türkei, China, Russland und der Iran.

Beginnen wir mit Deutschland. 

Deutschland:  Der September war turbulent, und es ist zu erwarten, dass erst nach den Wahlen in Bayern eine gewisse Beruhigung in dem einen wie dem anderen Sinne eintreffen wird. Deutschland leidet unter einer neuen Welle des Populismus. 

Nach wie vor betreibt die AFD eine aggressive Politik, die vom Wahlkampf geprägt ist. Es zeichnet sich allerdings ab, dass der Schulterschluss mit Pegida, IB, III. Weg etc nur im Osten Deutschlands ankommt und in Bayern und Hessen die AFD trotz Einzug in die Landesparlamente Ende November als Verlierer nicht nur in den Augen ihrer eigenen Wählern dastehen wird. Das Herumeiern der GROKO  könnte sein rasches Ende finden, wenn Innen & Heimatminister Seehofer erkennt was er bei der Wahl in Bayern angerichtet hat. 

Apropos Bayern. Sollte sich Ende Oktober wider Erwarten eine Koalition CSU/AfD in Bayern abzeichnen so ist aller Voraussicht die Spaltung der CSU Fraktion in eine neue CDU und eine CSU-Fraktion zu erwarten. Es bleibt spannend, während die Arbeit für die Bundesbürger warten muss.  

 

USA:  Der innenpolitische Druck auf Donald Trump hat im September weiter zugenommen. Dies kann zu neuen Kapriolen seitens Trump bis zu den Kongress-Wahlen im November führen, was ggf. zu außenpolitischem Aktionismus führt, womit Trump weiterhin die Weltwirtschaft irritieren würde. Allerdings gibt es ja eine „geheime Fraktion“ im Weißen Haus die Trump gegen politischen Unsinn „pampert“. Der Druck der US-Schulden könnte ihn auch vorsichtiger werden lassen. Die Ergebnisse des Handelsstreits vor allem mit China, eventuell auch mit der  EU werden ihm in den kommenden Monaten noch negativ aufstoßen. Für den Wahlkampf der Republikaner braucht es positive Anstösse, die sollen nun im Oktober von einem Abkommen mit Mexiko und Kanada kommen.

 

Italien treibt ein gewagtes Spiel, die wachsenden Staatsschulden lassen die Anleihen-Renditen in die Höhe steigen. Der zunehmende Streit zwischen den Koalitionären kann im Oktober noch stärker werden. (Linksaussen-Rechtsaussen-Koalitionen können ganz schnell implodieren.) 

 

Türkei:  Der September war für das Erdogan-Regime weitgehend ein verlorener Monat, auch wenn Erdogan dies natürlich anders darstellen wird. Der Staatsbesuch in Deutschland 🇩🇪 war für die Katz. Wieder zurück in Ankara gilt  für ihn im Oktober: „Guten Morgen liebe Sorgen; seid ihr schon alle wieder da.“

Als da wären die Lira-Schwäche, der anhaltende Dollarabfluss, der Braindraw, der kostspielige Syrien-Einsatz, die „lästigen“ Journalisten, der fehlende Frieden mit den Kurden, keine EM 2024, einbrechende Autoverkäufe etc. 

 

Russland: Nach der Fußball-WM ist die Begeisterung vorbei und Putin steckt in der Klemme. Die Wirtschaft ist zwar stabil, aber weiter auf niedrigem Niveau. Die Einfallslosigkeit bezüglich der Lösung kann noch einige Zeit anhalten, vor allem dann, wenn es in Syrien 🇸🇾 weiterhin nicht wirklich voran geht. Putin hält Assad die Stange und das kann sich als Fehler bei der Befriedung Syriens erweisen zumal im Nahostdreieck weiterhin widerstrebende Interessen kochen (Iran, Irak, Syrien, Türkei, Israel, Palästina, Gaza, Saudi-Arabien, Katar, Jemen)

 

China: 

…hat über den Sommer seine Positionen auf dem Afrikanischen Kontinent weiter ausgebaut. Ziel ist es ein Handelskrieg mit den USA langfristig auszubremsen und das eigene Wirtschaftswachstum in Gang zu halten. Was China am wenigsten gebrauchen kann ist das Misstrauen der anderen Staaten, denn China’s innerer Erfolg ist abhängig vom Rest der Welt und diese Erkenntnis beeinflusst in den kommenden Monaten die Strategie der chinesischen Regierung. Prinzipiell wird hier „Tit for Tat“ gespielt. Wer mit China handelt kann erwarten, dass dies auf Gegenliebe stößt, wenngleich die chinesischen Handelsstrategen  natürlich auch auf ihren Vorteil achten. An den heutigen Streitigkeiten mit den USA ist diese aber letztlich selbst schuld. Fairer Handel wird das größte Problem bleiben, wobei Trump aber auch nicht den Eindruck erweckt, dass er fair spielen will.     

 

Iran: Auch wenn der Iran an der Oberfläche wieder gefestigt erscheint, so brodelt es doch weiter im Land. Dabei wollen vor allem die jungen Iraner keine Unterstützung von Seiten der US-Regierung. Blickt man in der Geschichte zurück, so haben die US-Regierungen der letzten 50 Jahre genug Chancen vertan im Iran positiven Einfluß zu gewinnen, nicht zuletzt wegen des religiös markierten Konflikts zwischen den Saudis und den Ayatollahs. Was die jungen Menschen im Iran wollen ist eine weitgehende Abkehr von der anhaltenden religiösen Diktatur, was aber nicht bedeutet, dass sie grundsätzlich gegen den schiitischen Islam sind. In Sachen Atomabkommen ist der Iran als moralischer Sieger hervorgegangen, auch wenn Trump und Israel einen großen Krieg an die Wand malen. Die Regierung hat sich Verbündete in der ganzen Welt gesucht: Russland, China und die EU. Das hilft zwar noch nicht über ihre finanziellen Probleme hinweg, bietet aber für die kommenden Monate einen Hoffnungsschimmer.  

 

Mögliche Überraschungen im Oktober: 

  • Ein neues Referendum zum BREXIT scheint möglich. Falls diese Chance nicht zum Zuge kommt, so wird sich England damit abfinden müssen, dass die Zukunft der Briten schlechter aussehen wird als sie bei einer Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU gewesen wäre. Der Schaden für die EU wird zwar erkennbar sein, aber sich in überschaubaren Grenzen halten.  
  • Im Herbst wird es auch weiterhin zu starken Wetterextremen kommen.  

Ernesto O. 

 

Es ist nicht die Absicht von World-Tell-O-Scope Politik zu betreiben. Alle Vorhersagen ohne Gewähr. Es handelt sich um Möglichkeiten, mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten, die eintreffen können, aber nicht müssen.    Weiterlesen

Krieg der Träume – Wiederholt sich die Geschichte?

Die Geschichte wiederholt sich, sagen die einen.
Ja; sie ist sogar zyklisch, meinte einst Oswald Spengler in seiner Schrift „Untergang des Abendlandes“, in der er eine Kulturzyklentheorie der Geschichte vertritt.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, sagen die anderen.
Sie berufen sich dabei auf den Fortschritt, der die Geschichte verändert, z.B. über das Rad zum Auto, zum Flugzeug, oder vom Bleistift über die Schreibmaschine zum Computer und zur KI.

Die Geschichte ist sich selbst ähnlich, sage ich.
Sollte die Geschichte sich selbst wiederholen? Reiner Zufall. Dennoch, jede technische oder soziale Revolution kommt nicht von ungefähr, sie hat ihre Vorlage in den vorhandenen Bedingungen der Umwelt und des Kosmos. Dabei bilden sich fraktale Muster aus, die Altes verwenden und Neues hinzufügen. Ändern sich z.B. die sozio-ökonomischen Bedingungen nimmt die Geschichte einen geänderten Lauf. Ermöglichen die Bedingungen alte Strukturen und Muster zu verwenden, so werden diese soweit möglich benutzt. Dahinter steckt das Prinzip der Selbsterhaltung. Sollte ein Baum entstehen der zugleich Nadeln und Blätter besitzt, so würde dies nur möglich sein auf den historischen Blaupausen.

Wird sich 1933 wiederholen?
Nein. Was aber nicht bedeutet, dass die Zukunft Besseres für uns bereithält – zumindest ohne unser Zutun. Die Bedingungen haben sich in den vergangenen 100 Jahren geändert. 2018 ist nicht mehr 1918 und 2039 wird nicht wie 1939 werden.

Zum Vergleich können wir heutzutage auf exzellentes Dokumentar-Material aus der Zeit von 1918 bis 1939 zugreifen.
Die TV-Serie Krieg der Träume , ist eine dreiteilige Dokumentation mit Spielfilmcharakter, die reale Geschichten von dreizehn Männern, Frauen und Kindern erzählt. 1918 lag die Welt in Trümmern und diese Menschen blicken nun voller Hoffnungen und Wünsche in die Zukunft. Doch 20 Jahre später scheint sich der Kreis zu schließen.

zu den Teilen 2-8

Die Welt will erneut den Krieg. Doch dieser 2. Weltkrieg wurde noch viel schlimmer, mit fortschrittlichen Waffen gekämpft und endete 1945 mit der Atome und noch mehr Getöteten als der 1. Weltkrieg. Aber der 1. Weltkrieg endete mit belastenden Träumen. Die Demokratie in Europa ist von Anfang an in Konkurrenz mit dem Kommunismus und dem Faschismus, hinzu kommt noch der wachsende Kapitalismus.

Der Ausgang sollte hinreichend bekannt sein, die Gier des Kapitalismus (Weltwirtschaftskrise 1929-32) trat der Demokratie in den Rücken und befeuerte den lauernden Kommunismus (Russland), wie den Antisemitismus des rasch wachsenden Faschismus in Italien, Spanien, Deutschland, selbst in England und den USA wollten Faschisten die Macht übernehmen.

Ob sich die Geschichte 2018 wiederholt?
Wiederholen sicher nicht, aber ein 3.Weltkrieg ist auch nicht ausgeschlossen. Da sich die Bedingungen in den vergangenen 100 Jahren geändert haben, müssten wir in diesem Krieg innerhalb weniger Jahre mit mehr als 200 Millionen Getöteten rechnen.

Der klassische Kommunismus ist einem Staatskapitalismus autoritärer Ausprägung gewichen. Die Welt ist kleiner geworden und die Globalisierung hat nicht nur Positives gebracht. Es wird wieder mit den Ängsten der Menschen gespielt. Autokraten bedrohen die Demokratien und zwei globale Wirtschaftskrisen haben tiefe Spuren hinterlassen. Faschistisch ausgerichtete Parteien lauern darauf das alte Sündenbockspiel wieder aufleben zu lassen, wonach immer die anderen Menschen und Ländern angeblich an der eigenen Misere schuld sind, um dann endlich an der Macht doch wieder nur die Armen zu bestehlen um den eigenen Reichtum zu mehren.

Diese Muster sind bekannt. Neu wäre es, wenn es der Menschheit gelingen würde im Interesse aller zu kooperieren, dabei den Stier des Kapitalismus zu zähmen und überbordende Machtgelüste auf ein erträgliches Maß einzudämmen. Der technische Fortschritt genügt dazu alleine nicht, es bedarf auch des sozialen Fortschritts, angefangen bei der politischen Bildung und den Menschenrechten, der Prinzip der Fairness und der internationalen Staatengemeinschaft sich für die Menschen zu engagieren und nicht für die Mächtigen.

Ernesto O.

zusätzliche Materialien in der ARD-Mediathek