Zukunftsfäden (4) Normalität?

Blicken wir zurück, sehen wir den roten Faden der Vergangenheit.
Schauen wir vorwärts, entdecken wir zwei, drei, vier, viele Fäden der Zukunft.

Sind sie normal?
Ja, ja, ist ja gut – natürlich sind sie normal. Ich frage auch nie wieder.

„Aber“ – aber was, der Rest der Welt – wie – „der Rest der Welt ist völlig verrückt!“
Aber sie – wenigstens sie – sie sind normal. Das ist aber …



Nun ja, mit der Normalität ist das so eine Sache, wie wir am Beispiel Stefan, dem „gelernten DDR-Bürger“ sehen werden.

Stefan(Klarname) – auf Twitter, der mit dem Gelbwestensymbol, sagt zu mir:

„Moment. Bitte keine voreiligen Schlüsse! Ich bin wie jeder normale Mensch daran interessiert, dass in unsere Gesellschaft wieder Normalität einzieht. Da die Altparteien es BEWIESEN haben, dass sie dazu aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, muss man die Opposition bemühen…


Wenn das stimmt, dann ziehe nicht öffentlich die Gelbweste an, sondern beteilige dich konstruktiv an der Lösung der Probleme.
Außerdem was ist Normalität. Gibt es da ein Patent drauf?

Stefan(Klarname):
Ich bin gelernter DDR-Bürger. Für mich und vor allem für meine Frau war es normal, nachts ohne Angst auf die Straße gehen zu können. Soviel zum Thema nicht mehr vorhandene NORMALITÄT. Und das ist nur ein einziger Aspekt unter vielen…

Stefan, die Gelbweste, (ob seine Name wirklich so klar ist habe ich nicht recherchiert. Nur soviel, es gibt enorm viele Fake-Accounts auf Twitter, die versuchen eine bestimmte Ideologie zu verbreiten) will „als normaler Mensch“ eine „Normalität“, wie er sie so gefühlt und früher wahrgenommen hat, die in seiner Vorstellung so vorhanden war, aber nicht mehr vorhanden ist. Da kennen wir Leute, die dann lieber gleich sagen: „Ich will mein Land zurück.“ Meint er damit die DDR, aber lassen wir das …und kommen zur Sache.

Gibt es überhaupt Normalität?

Gehen wir naturwissenschaftlich heran, dann finden wir schnell die Normalbedingungen, die im Labor gelten 293,15 K ≙ 20 °C und 1,01325 bar = 760 Torr. Das ist also die vielgesuchte Normalität?
Pech gehabt – es gibt viele nicht deckungsgleiche Normbedingungen. Sie unterscheiden sich von den Standardbedingungen des Labors in der Physik, Chemie, Physiologie, Gaschromatographie, Luftfahrt und Druckluftindustrie bereits bei diesen zwei lächerlich kleinen Größen.
Normalität in den Naturwissenschaften ist also definiert, und das nicht nur weil „unsere Normalität“ auf dem Titan, der Venus oder der Sonne wenig hilfreich sind. Selbst auf der Erde verwendet die Technik diverse Normalitäten und da ergibt sich nun die Frage, ob bzw. welche menschliche Gesellschaft als „normal“ definiert werden kann.

Stefan hat wohl keine Ahnung was normal ist, aber es ist ganz einfach sich selbst als normal zu definieren, dann hat man eine Messlatte, an der man alle anderen Menschen verzweifeln lassen kann. Stefans Messlatte ist der „gelernte DDR-Bürger“. Mal abgesehen davon, dass er indirekt damit zugibt mit Vorurteilen aufgeladen zu sein – indoktriniert – hat er sich doch angeblich vorgenommen alles zu hinterfragen, und da er das nicht schafft, lässt er sich gerne von den Bartschmeichlern neu ausrichten. Man kann es selbstironisch betrachten wie beim Begriff  „Gelernter Österreicher“

Gelernter Österreicher ist eine (selbst)ironische Bezeichnung für Menschen mit Insiderwissen über Land, Leute und Gepflogenheiten. Ein Kenner der österreichischen sozialen und politischen Verhältnisse. Meist bezieht sie sich auf geborene Österreicher. Manchmal wird sie auch für Zugezogene verwendet, dann ist es eine Auszeichnung.

Um der Normalität, die sich Stefan vorstellt, nahe zu kommen, ist der Begriff „Gelernter Irgendwas“ nicht dienlich. Mit Klischees kommt man Normalität nicht bei und schon gar nicht wenn man behauptet, dass man heute mit Angst nachts auf die Strasse geht und früher, als die Stasi noch hinter jeder Ecke lauerte – nicht.

Nicht nur, dass jeder „normal“ nach seiner/ihrer Fasson festlegen kann,  es ist auch leicht nachweisbar, wenn man Normalität, – als Mehrheitsverhalten in einer Gesellschaft – definiert, selbst am gleichen Ort – immerzu im Fluß ist.

Beispiel Mannheim/Deutschland:

1890 waren Pferdekutschen normal und wenn Carl Benz mit seiner Motorkutsche unterwegs war, warfen Leute auf den „rauchenden stinkenden Teufel“ mit Steinen.

1936 Wer bei den Olympischen Spielen als Mannheimer nicht Sieg Heil rief war in Verdacht mit den „schwarzen Untermenschen“ zu kollaborieren, obwohl diese wie Jesse Owens mit 4 Goldmedaillen das Gegenteil bewiesen.

1945 Wer nach dem 8. Mai noch Sieg Heil rief, war nicht normal, weil Hitler und   die ganze Scheisse, die seine Nazis zu verantworten hatten, niemand mehr auskosten wollte.

1968 Wer Flower Power zelebrierte, Love & Peace allen wünschte und den Polizisten Rosen schenkte, war schon deshalb nicht normal weil junge Männer mit langen Haare einfach nicht normal sein durften.

1989  wäre eine Mauer zwischen Mannheim und Waldhof nicht normal gewesen, für West- u. Ostberliner aber schon. Doch 1990 war das alles schon nicht mehr wahr.

2019 ist für einen echten Mannemer wie Bülent Ceylan, die AfD nicht eine normale Partei, für Chemnitzer sieht das völlig anders aus.

Wer  Normalität predigt, hat weder die Gesellschaft noch die Geschichte  verstanden. Sie ist vielfältig mit vielen Strömungen und Meinungen und natürlich mit Mehrheiten, die sich auf demokratische Weise feststellen lassen oder diktatorisch erzwungen werden.

Und jetzt glaubst du beim Blick durch deine rosarote Brille, oh pardon deine Filterblase – du bist normal?
Dann bist du nicht normal.

Ich bin dann doch lieber ein bischen verrückt und betrachte die Welt von allen Himmelsrichtungen – ist das jetzt normal?

Ernesto O.

Zukunftsfäden ist Teil  einer kleinen Serie von Plauder-Beiträgen, die die Vergangenheit, Gegenwart und die möglichen „Zukünfte“ zwischen nicht ganz ernst gemeint und sehr ernst gemeint in Verbindung setzen.

–> Zukunftsfäden (1)
–> Zukunftsfäden (2) Yesterday
–> Zukunftsfäden (3) Atombomben auf Grönland

–> Zukunftsfäden (4) Normalität?

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Zukunftsfäden (3) Atombomben auf Grönland

Blicken wir zurück, sehen wir den roten Faden der Vergangenheit.
Schauen wir vorwärts, entdecken wir zwei, drei, vier, viele Fäden der Zukunft.

Trump ist bekannt für seine lauten Twitter-Ideen. Davon hat er uns im August gleich zwei serviert:

Grönland

Wanderer kommst du nach Dänemark, dann bringe Geschenke mit, dachte sich wohl auch Donald Trump und so überraschte er die Welt eine Woche vor dem geplanten Staatsbesuch bei Königin Margarethe II. mit der Ansage an Dänemark, die Insel Grönland kaufen zu wollen. Dort war man aber überhaupt nicht amused und tat die Sache als Aprilscherz ab, worauf hin ein beleidigter Donald Trump kurzerhand seine Reise nach Dänemark drei Tage vor dem Abflug cancelte.

Nach einem allgemeinen Kopfschütteln der Europäer  und einem Aufbrodeln der Nachricht in den interkontinentalen Medien, bei dem das kolonialistische Interesse an Grönland Trump´s zur Kenntniss genommen und kommentiert wurde scheint wieder Ruhe eingekehrt. Aber hier in Zukunftsfäden wird diese Nachricht jetzt erst richtig interessant, denn beim Blick in die Zukunft gibt es zur Ruhe im Karton-Szenario noch ein radikal alternatives Grönland Szenario.

Grönland(Kalaallit Nunaat) ist die größte Insel der Erde und damit ein Land, das politisch betrachtet ein autonomer Teil des Königreichs Dänemark ist. Grönland ist von Eis bedeckt, das durch die globale Erwärmung der letzten 150 Jahre zurückweicht und es zunehmend grüner macht. Mit einer Fläche von 2.166.086 km² ist es größer als Saudi-Arabien und fast so groß wie Algerien. Die Bodenschätze des Landes machen Grönland – wie einst Alaska – für einen neuen Goldrausch interessant. Entscheidend für dieses Szenario ist, dass Grönland die geringste Bevölkerungsdichte der Welt hat(abgesehen von der Antarktis).

In Grönland leben ~ 55.000 Menschen, d.h umgerechnet auf einem Gebiet von der Größe Algeriens würden sich gerade einmal soviele Einwohner tummeln wie in Görlitz oder Baden-Baden. Damit ist das riesige Land extrem korruptionsanfällig. Würde Trump jedem Grönländer eine halbe Million Dollar in die Hand drücken, das sind für einen 4 Personen Haushalt  stolze 2 Millionen $, dann wäre das Geschäft auch nichts anderes wie wenn der Trumpkonzern  zum Beispiel sich durch eine Übernahme das Immobilienunternehmens Vonovia einverleiben  würde. Vonvia hat einen  Wert von ca. 2 Mrd. – zum Vergleich: Monsanto wurde von Bayer für 66 Mrd. übernommen. Sollte Trump nicht das nötige Kleingeld haben würden im die Gebrüder Koch bestimmt aushelfen und ein Kredit von der Deutschen Bank würde den Deal besiegeln. Der Gedanke an dieses Grönland-Szenario2 lässt jedoch jeden vernünftigen Menschen erschaudern, schließlich ist Grönland extrem wichtig für das ökologische Gleichgewicht der Erde und des Golfstroms insbesondere.

Atombombe

Eigentlich habe ich gedacht, als Mr. President die Schlüssel für die Atombomben der US-Streitmacht ausgehändigt wurden, hätte er auch ein  Aufklärungsbriefing über die Auswirkungen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erhalten.  Was? Er wurde aufgeklärt!?
Na dann muss er wohl gepennt oder von seinem Golfplatz geträumt haben. Wie kann ein einigermaßen gebildeter Mensch auf die Idee kommen, dass der Abwurf einer Atombombe ins Auge des Orkans eine erfolgreiche Methode zur Bekämpfung eines Hurrikans sein könnte?

Wenn man das tut, wird der Weg des Hurrikans eine unberechenbare Steigerung des Risikos. Alles entscheidend ist jedoch, dass der Abwurf einer Atombombe einen verheerenden radioaktiven Fallout verursacht.

Besonders in den 1950er  und 1960er Jahren war der weltweite radioaktive Niederschlag durch die oberirdischen Atomwaffentests der USA und der Sowjetunion beträchtlich, so dass die oberirdischen Tests aus Strahlenschutz-Gründen durch eine Konvention von 1963 eingestellt wurden. China führte seinen letzten oberirdischen Atombombentest 1980 durch.

Nicht nur dass der radioaktive Fallout des bebombten Hurrikans dann sofort eine optimale Verteilung der Radioaktivität an der Ostküste der USA verursachen wird, eine nachthaltige Verseuchung mit radioaktiven Isotopen des Golfstroms wäre die Folge und würde die Nahrungsquellen des Atlantik vergiften.

Nicht zuletzt würden die Bermudas und die Bahamas Donald Trump den Krieg erklären, aber darauf käme es nach dem verursachten Flurschaden durch die USA auch nicht mehr an.

Dummheit oder politisches Kalkül?

Vielleicht kommt es ja aber auch ganz anders. Die USA unterhält in Thule auf Grönland einen militärischen Stützpunkt, der mit Atomwaffen bestückt ist. Sollte China oder Russland Appetit auf Grönland bekommen, dann lässt Trump Atombomben auf Grönland werfen. Lästermäuler sagen, dass sich sich so dann ganz leicht das Gold von der Erde kratzen lässt und das Erdöl der Arktis ohne Umwege verbrannt werden kann.

De facto hat sich Trump letztlich entschieden wegen des Hurrikans Dorian seine Reise nach Polen abzusagen und auf seinem Golfplatz in Virginia den Sturm abzuwarten. Noch mal Glück gehabt?

Es ist was faul im Staate …

Ernesto O.

Zukunftsfäden ist Teil  einer kleinen Serie von Plauder-Beiträgen, die die Vergangenheit, Gegenwart und die möglichen „Zukünfte“ zwischen nicht ganz ernst gemeint und sehr ernst gemeint in Verbindung setzen.

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Zukunftsfäden (2) Yesterday

Blicken wir zurück, sehen wir den roten Faden der Vergangenheit.
Schauen wir vorwärts, entdecken wir zwei, drei, vier, viele Fäden der Zukunft.

A hard days night

Gibt es einen roten Faden in die Zukunft? Wohl eher viele, in vielen Farben und manch einer davon könnte blutrot sein. Ich blogge hier in der Absicht das Bündel aufzulösen – na ja zumindest arbeite ich daran – , nach Farben zu sortieren, die einzelnen Fäden zu verfolgen und ihre Auswirkungen für die Menschheit zu beleuchten.
Ob es sich bei den Schrullen und Schleifen des Alltags am Ende eher um einen klassischen Tonbandsalat handelt wird sich zeigen. Wir werden die Wicklungen und Verwicklungen auskosten. Hangeln wir uns also durch Raum und Zeit und schauen was wir sehen. Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft. Diese kann manchmal schon morgen im Yesterday enden, so wie für Himesh Patel. Der Überraschungsfilm mit Tiefgang (inklusive Notting Hill zum Quadrat) zeigt was passiert, wenn die Menschheit Teile ihres Geschichtsbewusstseins verliert und seien es nur die Erinnerungen an ein paar Musiker, wie die Beatles, in Film „Yesterday“.

Ohne Bewusstein für Geschichte werden wir uns in einer zyklischen Zeitfolge wiederfinden, dabei wollen wir doch Endlosschleifen vermeiden. Das Laufen im Kreis bringt keine neuen Erkenntnisse, ausser die, dass wir im Kreis laufen. So wie Counselor Deanna Troi auf dem Raumschiff Enterprise, die ihre Kapitänspatentprüfung 21 mal wiederholen musste, weil sie nicht bereit war ein Mitglied der Crew sterben zu lassen, um das ganze Raumschiff zu retten.  Enterprise: 7.Staffel, Folge „Radioaktiv“.
Natürlich hat Deanna recht, das menschliche Leben ist zu achten und zu schützen. Nur, wenn alle tot sind, nützt es uns nicht den Dreck unterm Fingernagel. Oder wollen wir wirklich, dass auf unserem Grabstein steht: „Du hattest Vorfahrt.“ Was wir von Deanna lernen können ist es zu vermeiden in Situationen zu kommen, die Menschenopfer von uns verlangen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Ausweg!

Auf dem Schachbrett ist es da halt viel einfacher…

Ernesto O.

Zukunftsfäden ist Teil  einer kleinen Serie von Plauder-Beiträgen, die die Vergangenheit, Gegenwart und die möglichen „Zukünfte“ zwischen nicht ganz ernst gemeint und sehr ernst gemeint in Verbindung setzen.

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Zukunftsfäden (1)

Blicken wir zurück, sehen wir den roten Faden der Vergangenheit.
Schauen wir vorwärts, entdecken wir zwei, drei, vier, viele Fäden der Zukunft.

eine meiner Jungendsünden - Vierecke (ungefähr)

Tauchen wir zusammen 90 000 Jahre tief in die Vergangenheit ein. Damals im Rhone-Tal nahmen die Neandertaler ihr Schicksal in die Hand und spannen den ersten Faden der Menschheit. Damit änderten sie unsere Geschichte, die Zukunft Europas und der ganzen Erde. Mit so einem Faden lässt sich allerhand machen, dachte sich auch Ariadne, Königstochter auf Kreta, als sie Thesus ihren „Ariadnefaden“ gab. Nachdem er den Minotaurus im Labyrinth von Knossos getötet hatte, bot ihm der Faden Orientierung und so fand Theseus mit Hilfe des Fadens seinen Weg zurück in die Freiheit. Ob Ariadne´s Faden rot war? Wir wissen es nicht.

Unter einem „roten Faden“ versteht man eine Spur,
einen Weg oder auch eine Linie an der sich die Dinge ausrichten.
Etwas zieht sich wie ein roter Faden durch etwas.

Zieht sich durch die Zukunft ein roter Faden? Wohl kaum. Die Zukunft ist unbestimmt. Oder?
Aber vielleicht ist sie ja gerade doch deterministisch und wir sind deshalb der Vorherbestimmung ausgeliefert. In den Religionen vor unserer Zeitrechnung stand der Faden kulturübergreifend für das Schicksal. Die Moiren in Griechenland und die Nornen des Nordens spannen das Schicksal, indem sie den Faden für jedes Leben ausmaßen und bei der vorherbestimmten Länge abschnitten. Aus diesem Schicksalsfaden wurde so das Leben jedes einzelnen Menschen gewebt. Meine Überzeugung ist hingegen, dass zwar jeder ein Opfer seiner Sozialisation ist(oder altgriechisch: seines Schicksals), aber wir ihr nicht alles opfern müssen. Natürlich ist die Zukunft eines jeden von uns bisweilen ein Nadelöhr durch das wir uns hindurchzwängen müssen, aber allermeist haben wir die Möglichkeit uns frei zu entscheiden, wobei der Preis dafür wiederum sehr hoch sein kann.

Es war Goethe, der den roten Faden populär machte.
In Wahlverwandtschaften wird in Ottiliens Tagebuch der Kennfaden der britischen Marine beschrieben: „Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“
Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden …

Während in China der rote Faden für eine schicksalshafte Verbindung zwischen Mann und Frau steht begegnet uns in der Bibel der „rote Faden“ als Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Erst- und dem Zweitgeborenen. Streckte ein Kind bei der Geburt die Hand heraus griff die Hebamme zu, band einen roten Faden um die Hand und sagte: „Er ist zuerst herausgekommen.“ Mit dieser Praxis wurde Schicksal gestiftet, denn der Erstgeborene hatte in der patriarchalischen Gesellschaft Privilegien, die den anderen Kindern versagt waren. Logisch betrachtet haben wir Menschen den roten Faden zum Faden des Schicksals erklärt und nicht umgekehrt. Dem roten Faden ist unser Schicksal egal. Es sind von Anfang an wir Menschen, die damit Schindluder treiben.

Ernesto O.

P.S. Es folgt eine kleine Serie von Plauder-Beiträgen, unter dem Titel „Zukunftsfäden“, die die Vergangenheit, Gegenwart und die möglichen „Zukünfte“ zwischen nicht ganz ernst gemeint und sehr ernst gemeint in Verbindung setzen. Stay tuned

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Bin ich jetzt authentisch?

…muss das auch noch sein? Nein. Ich bin nicht Loriot.

Auf Twitter begegnen uns immer wieder Leute,

  • die sind keine Leute
  • die sind Fakes
  • haben Fake-Profile
  • sind in Wirklichkeit Bots
  • nur Influencer
  • posten nach einer Masche
  • wollen sich augenscheinlich bei bestimmten Gruppen lieb Kind machen
  • usw.

Was Ihnen allermeist fehlt ist eine authentische Persönlichkeit. Mit ihren Profilbildern heften sie sich bestimmte „Eigenschaften“ ans Revers, z.B. Kreuzritter, Göre, Krokodil, Promi, Gelbweste, Antifa, Pegida, anderes Geschlecht, andere Herkunft, anderer Glauben etc. Ob und in wie weit es sich lohnt mit solchen „Persönlichkeiten“ zu kommunizieren muss jeder für sich selbst entscheiden. Was diesen „Persönlichkeiten“ aber fehlt ist Authentizität. Wenn sie also prüfen wollen wie echt ihr Twitter-Gegenüber ist, dann lohnt sich die Plausibilätstprüfung der angebotenen Echtheit.

Die Authentizität eines Menschen bedeutet, sich entsprechend dem wahren Selbst, d. h. seinen/ihren Werten, Gedanken, Gefühlen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und zu handeln und sich nicht durch externe Einflüsse steuern zu lassen. Die Echtheit (Authentizität) einer Person wird jedoch häufig durch Manipulation, Gruppenzwang und wirtschaftliche Fremdbestimmung beschädigt.

Kriterien der Authentizität:
(nach Kernis und Goldmann)

Bewusstsein

  • Ich kenne meine Stärken
  • Ich kenne meine Schwächen
  • Ich weiß um meine Gefühle und Motive für mein Verhalten.
  • Ich betreibe Selbsterkenntnis und Selbstreflexion(durch Selbst- und Fremdwahrnehmung)
  • Ich mache mich und mir selbst mein Handeln bewusst

Ehrlichkeit

  • Ich blicke der ungeschminkten Realität ins Auge
  • Ich akzeptiere auch unangenehme Rückmeldungen, die mein eigenes Selbstverständnis treffen.

Konsequenz

  • Ich handele nach meinen Werten und Überzeugungen, die ich auch offen lege.
  • Ich gebe nicht den Opportunist.
  • Diese gilt auch für den Fall, dass ich mir dadurch Nachteile einhandle.(Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Aufrichtigkeit

  • Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen
  • Ich verleugne mich nicht (Ausnahme – das Petrus-Claudius-Problem s.u.)

Probleme

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“ und strahlt in der Öffentlichkeit aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. („Die immer lacht“, weint ja auch nur wenn sie alleine ist…)

Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln.

Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren. (Das Harald Juhnke-Phänomen)

Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie klischeehaft und wird kitschig. Andernfalls erscheint sie auch als künstlerisch gekonnt.

Das Petrus-Claudius-Problem


Zu meiner Echtheit gehört es auch Nachteile in Kauf zu nehmen – oder?
Gut und ehrenwert, aber es ist ein nutzloses Opfer an meine Authentizität, wenn ich mich dadurch in eine lebensgefährliche Situation bringe.

Beispiele:

Petrus hat Jesus „3 mal verleugnet bevor der Hahn krähte“ Zu Recht, er wusste um die lebensbedrohende Situation! Gut möglich, dass es das Christentum sonst nie gegeben hätte.

… als die römische Prätorianer-Wache am 24. Januar 41 den verhassten Kaiser und Tyrannen Caligula in den Kellergängen eines Theaters ermorden, versteckt sich der physisch kranke Claudius aus Angst vor den Gewaltakten der Soldaten. Hätte sich Claudius schützend vor seinen Verwandten gestellt, hätten die Prätorianer ihn genauso ermordet, stattdessen machen sie ihn – die vermeintliche Witzfigur – zum neuen Kaiser.

…. Harald Juhnke hatte große Probleme mit dem Alkohol, nach aussen war er für das TV-Publikum aber immer fröhlich und lustig. Zwar eine Schein-Fassade, aber das war das Geschenk an sein Publikum und es war dankbar dafür. (Ähnliches galt für den Star Roy Black, der depressiv war, aber die Fans durch seine scheinbare Echtheit begeisterte.
Amy Winehouse? Sie bekam für ihren „Back to Black“ Look Beifall vom „Influencer Lagerfeld“ und trieb sich durch selbstverletzendes Verhalten schließlich in den Tod.

… Niemand wird James Bond 007 Echtheit abstreiten, obwohl er bisweilen alle Mittel der Tarnung und Täuschung verwendet.

… und um dem KZ zu entkommen, hätte ich alles getan, um meine wahre Identität zu verbergen.

Also dann seien sie jetzt mal authentisch, aber mit Augenmaß und Selbstbewusstsein.


🤔Ernesto O.

Ein unpolitisches Gedicht

Ein unpolitisches Gedicht

Wer mit Absicht
ohne Aussicht
wenig Umsicht
und Rücksicht
oder Einsicht

Hat die Durchsicht
bei Ansicht
und Nachsicht
ohne Vorsicht
völlig außer Sicht

Auch aus der Fernsicht
keine Weitsicht
oder Weitblick
Rundblick
Überblick
und kein Geschick
für den Poli T(r)ick

Horrormalereien an der Wand
haben vielen das Gehirn verbrannt.

😉

Ernesto O.

World-Tell-O-Scope: Oktober 18

World-Tell-O-Scope:  Oktober 18

Online-Medien wie „Tichys Einblick“ oder „Ach gut“ kennen sie wahrscheinlich schon. Wenn nicht, auch gut. Das besondere an diesen und vielen ähnlichen Medien ist, dass sie sich aufklärerisch geben, aber vor allem eins verbreiten: Meinung, Meinung, Meinung. Hinzu kommt, dass diese Autoren zumeist politische Schlagseite haben und an Fakten nur Interesse haben wenn sie gut in das eigene Weltbild passen.

WorldTellOScope hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht zu kommentieren, sondern die Wirksamkeit der  Fakten des zurückliegenden Monats zu begutachten und für den kommenden Monat das festzuhalten was wahrscheinlich oder möglicherweise daraus folgen wird. Im Prinzip betreibt  World-Tell-O-Scope eine Art monatliche Chartanalyse der Weltpolitik.   

Der Blick zurück in den September liefert die Basis für das was im Oktober passieren wird.  Die interessantesten „Polit-Märkte“ sind zur Zeit die USA, Deutschland und die EU, die Türkei, China, Russland und der Iran.

Beginnen wir mit Deutschland. 

Deutschland:  Der September war turbulent, und es ist zu erwarten, dass erst nach den Wahlen in Bayern eine gewisse Beruhigung in dem einen wie dem anderen Sinne eintreffen wird. Deutschland leidet unter einer neuen Welle des Populismus. 

Nach wie vor betreibt die AFD eine aggressive Politik, die vom Wahlkampf geprägt ist. Es zeichnet sich allerdings ab, dass der Schulterschluss mit Pegida, IB, III. Weg etc nur im Osten Deutschlands ankommt und in Bayern und Hessen die AFD trotz Einzug in die Landesparlamente Ende November als Verlierer nicht nur in den Augen ihrer eigenen Wählern dastehen wird. Das Herumeiern der GROKO  könnte sein rasches Ende finden, wenn Innen & Heimatminister Seehofer erkennt was er bei der Wahl in Bayern angerichtet hat. 

Apropos Bayern. Sollte sich Ende Oktober wider Erwarten eine Koalition CSU/AfD in Bayern abzeichnen so ist aller Voraussicht die Spaltung der CSU Fraktion in eine neue CDU und eine CSU-Fraktion zu erwarten. Es bleibt spannend, während die Arbeit für die Bundesbürger warten muss.  

 

USA:  Der innenpolitische Druck auf Donald Trump hat im September weiter zugenommen. Dies kann zu neuen Kapriolen seitens Trump bis zu den Kongress-Wahlen im November führen, was ggf. zu außenpolitischem Aktionismus führt, womit Trump weiterhin die Weltwirtschaft irritieren würde. Allerdings gibt es ja eine „geheime Fraktion“ im Weißen Haus die Trump gegen politischen Unsinn „pampert“. Der Druck der US-Schulden könnte ihn auch vorsichtiger werden lassen. Die Ergebnisse des Handelsstreits vor allem mit China, eventuell auch mit der  EU werden ihm in den kommenden Monaten noch negativ aufstoßen. Für den Wahlkampf der Republikaner braucht es positive Anstösse, die sollen nun im Oktober von einem Abkommen mit Mexiko und Kanada kommen.

 

Italien treibt ein gewagtes Spiel, die wachsenden Staatsschulden lassen die Anleihen-Renditen in die Höhe steigen. Der zunehmende Streit zwischen den Koalitionären kann im Oktober noch stärker werden. (Linksaussen-Rechtsaussen-Koalitionen können ganz schnell implodieren.) 

 

Türkei:  Der September war für das Erdogan-Regime weitgehend ein verlorener Monat, auch wenn Erdogan dies natürlich anders darstellen wird. Der Staatsbesuch in Deutschland 🇩🇪 war für die Katz. Wieder zurück in Ankara gilt  für ihn im Oktober: „Guten Morgen liebe Sorgen; seid ihr schon alle wieder da.“

Als da wären die Lira-Schwäche, der anhaltende Dollarabfluss, der Braindraw, der kostspielige Syrien-Einsatz, die „lästigen“ Journalisten, der fehlende Frieden mit den Kurden, keine EM 2024, einbrechende Autoverkäufe etc. 

 

Russland: Nach der Fußball-WM ist die Begeisterung vorbei und Putin steckt in der Klemme. Die Wirtschaft ist zwar stabil, aber weiter auf niedrigem Niveau. Die Einfallslosigkeit bezüglich der Lösung kann noch einige Zeit anhalten, vor allem dann, wenn es in Syrien 🇸🇾 weiterhin nicht wirklich voran geht. Putin hält Assad die Stange und das kann sich als Fehler bei der Befriedung Syriens erweisen zumal im Nahostdreieck weiterhin widerstrebende Interessen kochen (Iran, Irak, Syrien, Türkei, Israel, Palästina, Gaza, Saudi-Arabien, Katar, Jemen)

 

China: 

…hat über den Sommer seine Positionen auf dem Afrikanischen Kontinent weiter ausgebaut. Ziel ist es ein Handelskrieg mit den USA langfristig auszubremsen und das eigene Wirtschaftswachstum in Gang zu halten. Was China am wenigsten gebrauchen kann ist das Misstrauen der anderen Staaten, denn China’s innerer Erfolg ist abhängig vom Rest der Welt und diese Erkenntnis beeinflusst in den kommenden Monaten die Strategie der chinesischen Regierung. Prinzipiell wird hier „Tit for Tat“ gespielt. Wer mit China handelt kann erwarten, dass dies auf Gegenliebe stößt, wenngleich die chinesischen Handelsstrategen  natürlich auch auf ihren Vorteil achten. An den heutigen Streitigkeiten mit den USA ist diese aber letztlich selbst schuld. Fairer Handel wird das größte Problem bleiben, wobei Trump aber auch nicht den Eindruck erweckt, dass er fair spielen will.     

 

Iran: Auch wenn der Iran an der Oberfläche wieder gefestigt erscheint, so brodelt es doch weiter im Land. Dabei wollen vor allem die jungen Iraner keine Unterstützung von Seiten der US-Regierung. Blickt man in der Geschichte zurück, so haben die US-Regierungen der letzten 50 Jahre genug Chancen vertan im Iran positiven Einfluß zu gewinnen, nicht zuletzt wegen des religiös markierten Konflikts zwischen den Saudis und den Ayatollahs. Was die jungen Menschen im Iran wollen ist eine weitgehende Abkehr von der anhaltenden religiösen Diktatur, was aber nicht bedeutet, dass sie grundsätzlich gegen den schiitischen Islam sind. In Sachen Atomabkommen ist der Iran als moralischer Sieger hervorgegangen, auch wenn Trump und Israel einen großen Krieg an die Wand malen. Die Regierung hat sich Verbündete in der ganzen Welt gesucht: Russland, China und die EU. Das hilft zwar noch nicht über ihre finanziellen Probleme hinweg, bietet aber für die kommenden Monate einen Hoffnungsschimmer.  

 

Mögliche Überraschungen im Oktober: 

  • Ein neues Referendum zum BREXIT scheint möglich. Falls diese Chance nicht zum Zuge kommt, so wird sich England damit abfinden müssen, dass die Zukunft der Briten schlechter aussehen wird als sie bei einer Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU gewesen wäre. Der Schaden für die EU wird zwar erkennbar sein, aber sich in überschaubaren Grenzen halten.  
  • Im Herbst wird es auch weiterhin zu starken Wetterextremen kommen.  

Ernesto O. 

 

Es ist nicht die Absicht von World-Tell-O-Scope Politik zu betreiben. Alle Vorhersagen ohne Gewähr. Es handelt sich um Möglichkeiten, mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten, die eintreffen können, aber nicht müssen.    Weiterlesen

Respect : Respekt #Respect : #Respekt

Da war dieser 15 jährige Jung-Rapper, der am Ende seiner Performance laut ins Publikum rief:
„Respect man!“

Doch was ist mit Respekt – Neudeutsch: Respect – eigentlich gemeint?
Fangen sie doch mal eine Diskussion auf Twitter über die Qualität der Regierung an, dann erhalten sie recht bald – besonders, wenn sie sich kritisch über die Beiträge der zahlreichen Trolle und Fake-Accounts äußern, „nette Beleidigungen“ wie z.B. H……n, l…e Z…e oder v……r G…….h und noch unflätigere Antworten. Hingegen ist die Resonanz zu einem Plakat wie die „7 Schritte zur Menschlichkeit“ eher gering.

Dabei haben die Leute – nicht nur auf Twitter – Menschlichkeit dringend nötig, ist sie schließlich die Eigenschaft, die den Menschen hilft zum Nutzen aller erfolgreich miteinander umzugehen. Das Gegenteil von Menschlichkeit ist die Unmenschlichkeit und das grenzt uns von Verhaltensweisen anderer unfreundlicher Lebewesen ab. Also bitte etwas mehr „Respect yuman“ – nicht nur gegenüber Männern, auch gegenüber Frauen, Kindern, Greisen, Politikern, Andersgläubigen, Farbigen, ganz allgemein den Menschen, Tieren, Pflanzen, der Natur und den Herausforderungen, mit denen die Erde und wir Menschen konfrontiert sind.

 

Aber wir haben ein Problem mit der „Begrifflichkeit Respekt“, und diese bezieht nicht nur auf den Missbrauch der Sprache. Es gibt nämlich verschiedene Formen des Respekts, insbesondere „Angst gesteuerten Respekt“ und „Anerkennenden Respekt“.

 

1. Angst gesteuerter Respekt:


Als Kind hatte ich Respekt vor Lehrern, was aber in der Regel die Angst davor war bestraft zu werden. Im Nachhinein betrachtet ging es dabei zumeist um harmlose Dinge wie fehlende Respekts-Bekundungen, oder auch um willkürliche unbegründeten Machtdemonstrationen seitens der Erwachsenen. Die Hackordnung aus dem Hühnerstall war noch vor 50 Jahren automatisch in der Sozialisation implementiert. Entfielen die Instrumente der Macht, war es auch mit dem erzwungenen Respekt vorbei.

 

2. Anerkennender Respekt:

Als Kind dauert eine Weile, bis man merkt, dass die primären Regeln des Respekts Menschen gemacht sind. Wirklicher Respekt ist jedoch die Anerkennung der anderen Menschen ohne irgendeine Vorleistung oder Bedingung. Das ist der Respekt ist, der es wert Respekt genannt zu werden. Wenn Kinder in die Pubertät kommen erkennen sie vor allem diesen Unterschied zwischen Angst gesteuertem und anerkennendem Respekt. Annerkennender Respekt beginnt mit Zuhören und so war es auch bei mir. Kurioserweise hörte mir der knapp 70 Jahre alte an Parkinson erkrankte Direktor meiner Schule zuerst zu, während das Gross des ihm untergebenen Kollegiums dies erst noch lernen musste. Glücklicherweise hörten mir später auch mein Chemielehrer und seine Frau – ebenfalls Chemielehrerin – sowie ein Sozialkundelehrer zu, was letztlich dazu führte, dass ich nicht an den pädagogischen Krokodilen in der Schule scheiterte. Natürlich beschränkt sich die respektvolle Anerkennung nicht nur auf sachliche und fachliche Autoritäten. Dazu gehört auch die grundsätzliche Anerkennung aller Menschen ungeachtet dessen was sie zuvor getan haben. Im Grundgesetz nennt sich das übrigens Menschenwürde.

3. Institutioneller und essentieller Respekt

Respekt verdienen auch Gerichte, die auf Basis der Menschenrechte ihre Existenzberechtigung belegen  können.  Sofern   Institutionen nicht   dazu geschaffen   wurden um  die  Menschen zu erniedrigen oder gar psychisch oder physisch zu zerstören verdienen  diese ebenfalls  Respekt. Das gilt natürlich  nicht für „Volks-, Stand- oder Terror-Gerichte und  ähnliche Tribunale“, – auch Jesus hat seine Peiniger und Mörder nicht gelobt. Essentiell ist hingegen aber auch der Respekt gegenüber der Natur. Ja,  wir müssen sogar soweit  gehen, dass  es  Dinge zwischen  Erde und Himmel gibt, die unserer Erkenntnis überlegen sind. Dazu gehört auch die richtige Einordnung von Kapital, Macht, Technik und Kontrolle in den universellen Kontext und so müssen schließlich auch wir unsere Winzigkeit im Kosmos anerkennen.

 

Die Fähigkeit alle Menschen und Dinge anzuerkennen, auch wenn sie sich uns entgegenstellen und unsere Pläne und Perspektiven blockieren, bietet die einzige Chance unerwünschte Probleme positiv und fair zu lösen, damit es uns nicht so ergeht wie der Ente mit dem Skorpion:

Der Skorpion und die Ente
Ein Skorpion geriet auf seiner Wanderschaft  an einen breiten unüberwindbaren Fluss. Als  er schon aufgeben wollte,  begegnete er einer geselligen Ente, die sich gerade anschickte ihre Füße ins Wasser setzen zu wollen. „Liebe Ente“, fragte er, „kannst du mich auf deinem Rücken mit ans andere Ufer reisen lassen ?“ Die Ente, die sich der großen Gefahr bewusst war, die vom giftigen Stachel des Skorpions ausging, winkte jedoch dankend ab. Da versprach der Skorpion der Ente sich ganz anständig und friedlich zu benehmen, denn er wolle ja keinen Selbstmord begehen. Die Ente war es zufrieden und nahm den ungewöhnlichen Gast mit auf das Wasser. Als die beiden jedoch die Mitte des Flusses erreicht hatten, da geschah es: Der Skorpion stach zu! Die so getroffene Ente blickte sich noch einmal um und fragte in ihrem Todeskampf: „Warum nur, warum ?“ Der Skorpion antwortete ihr: „Es liegt in meiner Natur“ und beide ertranken jämmerlich.

…und jetzt?

Kooperation kann nur mit Respekt gelingen. Da können wir über die Ente nicht klagen. Sie hat den Rüpel von Skorpion ja naiver Weise respektiert, während er mit seiner dummen Respektlosigkeit die Ente und sich selbst ermordete.

Respektlosen Typen, den Respekt bei zu bringen, ist das eigentliche Problem, dabei kann Technik helfen. Der Skorpion hätte durch einen einfachen Korken am Stechen gehindert werden können. Im Grunde ist das probate Mittel gegen Respektlosigkeit aber die Kraft der Überzeugung, die Menschen auf den Weg zum Respekt bringt. Dazu braucht es Hirn – eigentlich nicht einmal so viel. Think ….deep!

Fassen wir zusammen:

Respect matters!

Aretha Franklin, die eben verstorbene „Mother of Soul“, hat das schon immer gewusst.

 

ArIeSPeICiTee!

 

Ernesto O.

Tweetrepeat: Wenn die halbe Welt ein Schachspiel ist

…was ist dann die andere Hälfte?


„Der Tisch.

Nee ……. Elfmeterschießen ist auch falsch.

1. Ein anderes Schachspiel.
2. Das Meer
3. Bleibt die andere Hälfte.
4. Ein Rätsel.
5. Eine Halbkugel.
6. Kein Schachspiel.
7. 50%.
8. Der Rest.
9. Schrödingers Katze
10. Ich geb´ auf!“

Jetzt mal ganz langsam – der Reihe nach.

Ist die Welt wirklich ein Schachspiel?
Vor 75 Jahren konnte man dies sehr wohl glauben. Als England vom 24. Juli bis 3. August 1943 die großen Bombenangriffe auf Hamburg ausführte war dies eine Reaktion auf den Angriffskrieg Deutschlands auf Hitler, der im Konzert mit Mussolini, Franco und Stalin Europa in ein Schachbrett verwandelte. Während die Bauern über das Brett ausschwärmten, nahmen sich die Briten die Türme und Springer vor. Doch so ein Krieg kommt nicht ohne den „Tisch“ aus, auf dem gespielt wird. Es braucht eine Bühne, die Weltbühne auf der das „Schachtheater“ stattfindet und Verbündete, sprich Kooperation. Ohne (negative) Kooperation kommt man nicht in den 2. Weltkrieg hinein und ohne (positive) Kooperation gelangt auch niemand wieder heraus. Obwohl dieses Schachspiel damals Weltkrieg hieß, so fand dieser Krieg keineswegs auf der ganzen Welt (gleichermaßen) statt. So kann also nie die ganze Welt (Universum) mit einem Schachspiel „gleichgesetzt“ werden. Die Natur(gesetze) gibt(/geben) Entwicklungen zumeist (immer?) breite Möglichkeiten der Gestaltung (Descartes /kartesisches Theater/Weltbühne).

 

Fassen wir zusammen: Die Welt ist kein Schachspiel, aber: „Sie ist auch ein Schachspiel!“

Bleibt im Gegenzug die Frage: Ist die Welt ein Kooperationspiel?

Ja und nein. Wir sollten nicht vergessen, dass ein Schachspiel auch ein Kooperationsspiel ist, sowohl was die Aussen- als auch die Innenbedingungen betrifft. Zum Beispiel schützen Bauern andere Bauern, Figuren geben Deckung, es können hilfreiche Umwandlungen vollzogen werden, von aussen her können Schachliteratur oder andere Hilfen verwendet werden und die die Bedenkzeit ist veränderbar.

Dafür „dass wir hier und jetzt da sind“ geht die These zur Erklärung um, „dass dies nur der Fall sein konnte weil die Natur uns freundlich – kooperativ – gesonnen ist“.

Dem ist nicht nur so – letztlich ist es der Mix, der den (Über)Lebenserfolg macht. So ist ein Schachspiel weder immer nur destruktiv und Kooperation immer nur konstruktiv. Es gibt aber auch Wege, die Erfolg versprechen sind. Diese zu finden ist die Kunst, die das Individuum, die Menschheit und der Kosmos zum jetzigen Zustand gebracht haben. Die Welt ist also noch nicht verloren – wie schön!

Während ein Schachspiel neben Sieg und Niederlage einerseits auch den friedlichen Ausgang – das Remi – andererseits bietet, können scheinbar so erfolgreiche Kooperationsstrategien wie „Tit for Tat“ von jetzt auf nachher versagen, wenn z.B. „+Tit for Tat“ auf „-Tit for Tat“ trifft, während die „Jesus-Strategie“, die von allen anderen – besonders von „massiver Vergeltungsschlag“ kinderleicht ausgetrickst wird, alle anderen Strategien in Schatten stellt, wenn sie auf sich selbst trifft und zum Schauspiel des ultimativen Erfolgs wird. Da ist sie wieder die Weltbühne – so ein Theater aber auch!

Zu den Beispielen für Kooperationsstrategien:
Die Kosmische Welle. Kapitel 11 – EXP-Nachwehen – Das Kooperationsexperiment ff.

 

Machen wir mit etwas Fischtheater weiter. Es kommt dabei sehr darauf an, ob du Hai, Delphin oder Karpfen bist bzw. spielst. Wer dabei immer die gleiche Rolle (= Strategie) einnimmt wird am Ende unzufrieden sein und sich fragen: „Was habe ich falsch gemacht?“.

Hier können wir von der Natur (dem Universum, Gott) noch viel lernen. Die Natur arbeitet Problem lösend, dabei greift sie viele (kooperative) Möglichkeiten auf (Baummodell – viele Äste – viele Wurzeln/Nervenbahen-Blutkreislaufmodell) und verstärkt die Anfangserfolge durch Selbsterhaltung bis stabile Zustände entstehen.

Doch nicht vergessen: Irgendwann fällt der Vorhang und wer weiß wo und wann das nächste neue Schauspiel beginnt, eine neue virtuelle Welt, die sich vielleicht gerade jetzt – so ähnlich wie unsere realisiert.

 

Ernesto O.