Quantensprünge am Freitag: Urknall, Evolution, Gott

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Gestern um kurz vor Mitternacht kam auf Alpha eine merkwürdige Sendung. „Quantensprung“   ist eine kleine ORF III TV-Reihe in der Andreas Jäger etwas leicht kurioses macht. Er holt Leute aus der Wissenschaft mit dem Auto ab und führt dann Gespräche während der Fahrt, über wirklich die Welt bewegende Themen wie eben die Quantenphysik. Dazu holt er sich auch schon mal Nobelpreisträger und Wissenschaftskapazitäten wie Peter Higgs oder Anton Zeilinger in den PKW und dann wird beim planlosen Autofahren über Makro- und Mikrokosmos geredet und die Menschheit dazwischen. Gestern holte sich Jäger einen Mathematiker und eine Biochemikerin ins Auto.

Thema: Urknall und/oder Gott

Schnell war man bei der Evolution und bei Gödel´s Gottesbeweis. Der Mathematiker erklärte wie Gödel den  ontologischen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury  im Lichte der mathematischen Logik untersuchte und dabei zu dem Ergebnis kam, dass notwendigerweise Gott existiert. Hierbei handelt sich um Existenz eines göttlichen Wesens im konzeptionellen Sinne.
Erheblich interessanter war jedoch der Beitrag der Biochemikerin die einfach sagte Gott existiert nicht (Selbsterregung des Universums vorausgesetzt) und dann ergänzte: „Die Menschen haben Gott erfunden.“ Hätten die drei beim Heurigen gesessen, wäre mir das Besondere daran nie aufgefallen, aber sie sagte dies, während die drei im Auto unter Beobachtung zweier Frontscheiben-Cams dahinfuhren. Ja, klar: Das Auto – eine Erfindung des Menschen – existiert, ganz real; genauso wie die Erfindungen Flugzeug, Weltraumrakete oder die Verkehrsampel existieren. Ein Gedicht – auch so eine Erfindung der Menschen – existiert ebenso real wie…. na – logisch: Gott.

Auch wenn Gott nach dieser Feststellung ein wenig aussieht wie ein technisches Hilfsmittel, es bleibt dabei Gott existiert. Versuchen wir zu widerlegen dass Erfindungen existieren, dann gelingt es vielleicht auch die Existenz Gottes zu widerlegen. Überlassen wir diese Aufgabe jedoch erst einmal den Experten des Atheismus und denken an dieser Stelle noch ein Stück weiter.
Das heißt ja dann, dass Gott, wenn auch vielleicht nicht allmächtig, existiert und nicht den Urknall verursacht haben kann, da dieser schon stattgefunden hat. Doch Moment so einfach ist die Sachlage nicht, denn es ist kompliziert mit der Zeit, denn – ich glaube Stephen Hawking sieht das so ähnlich – den Urknall hat es zumindest – zeitlich – so nie gegeben, da unser Universum am „Horizont-Phänomen leidet“. Will heißen (spätestens seit Kolumbus) der Horizont ist kein Ende von Raum und Zeit. Wir können „hinter den Horizont gehen“ und feststellen, dass wir weder irgendwo herunterfallen noch das Ende der Zeit gekommen ist. Es ergibt sich so die Frage, ob es nicht völlig gleichgültig ist wo sich Gott in der Zeit befindet – vor oder hinter der Menschwerdung.

Praktisch ist es ohnedies so, dass der Mensch an sich, Gott nicht vor seiner eigenen Bewusstwerdung „erfinden“ kann, was zulässt, dass Gott parallel zum menschlichen Bewusstsein aufgetaucht ist (Henne-Ei-Problem lässt grüßen). Wesentlich interessanter erscheint mir da die Frage, ob Gott, sei es als Konzeption, Erfindung,  Mann mit Bart oder pantheistische Wesenheit, allmächtig sein kann, denn das ist es, was Gott in den Augen der Menschen zu Gott macht.

Ernesto O.