Platon aus der Höhle

(Fortsetzung von „Die Schatten des Platon“)

Jeder ist ein Opfer seiner Sozialistion,
aber wir müssen ihr nicht alles opfern.

Während Platon und Sokrates uns nahelegen, dass wir nie die Wahrheit kennen lernen können, sage ich jetzt mal salopp: „Ich pfeife darauf.“

Woher kommt mein Optimismus?
Die Antwort lautet: Erfahrung und die Logik

Eine kurze Erklärung des Begriffes

  • Sozialisation
    bezeichnet den Prozess, bei dem heranwachsende Menschen durch die Normen und Wertvorstellungen der gesellschaftlichen Umgebung geprägt werden, so dass diese Menschen den ihnen vorgelebten Wertekanon übernehmen bzw. so verinnerlichen.

In Sophies Welt von Jostein Garder klingt das zugespitzt in etwa so: Viele Menschen haben es sich im kuscheligen und warmen Fell eines großen weißen Kaninchen bequem gemacht und trauen sich aus Angst vor der rauen Wirklichkeit nicht mehr hervor.

In Hinblick auf Platon und Sokrates greift die soziologische Definition von Sozialisation jedoch zu kurz. Wir brauchen eine ganzheitlichere kosmologische Verortung des Begriffs, um einerseits zu verstehen warum wir ein Opfer sind und um anderseits zu verstehen warum wir nicht Opfer bleiben müssen.

Die Sozialisationsbedingungen einer ganzen Spezies, ja allen Lebens auf der Erde sind umfassend tiefgreifender als die lokalen gesellschaftlichen Bedingungen einzelner Individuen. Die Anzahl der Einfluß nehmenden Faktoren spielt dabei nur bedingt eine Rolle, denn die Wirkung jedes einzelnen Faktors auf unser individuelles Verhalten ebenso wie auf das Benehmen der Spezies Mensch kann lähmend oder pushend sein.

Hier eine rasch zusammen geschriebene,
sicherlich unvollständige Liste der Faktoren:

  • Raum-Zeitgefüge
  • Gravitation
  • Position der Erde, Ressourcen, Klima
  • Chem. Zusammensetzung der Atmosphäre und des Erdbodens
  • Katastrophenverursachende Fakten (Asteroideneinschläge, Erdbeben, Vulkane, Hurrikans…)
  • Biogene Einflüsse (Mikroben, Viren, irdische u. kosmische Evolution)
  • Soziales und geografisches Gefüge der Menschheit,
  • ökologische u. soziale Nischen
  • Religion, Geschlecht, Herkunft
  • aggressives oder friedliches Umfeld
  • Staats-, Wirtschafts- und Gesellschaftsformen, Normen, Rechte u. Pflichten, Familie, Clique etc.
  • historische u. technologische Entwicklungen, Moden, Trends, politische u. mediale Manipulation

Oder kurzum die Taktgeber der Menschheit, als da wären: Natur, Gesellschaft, Kunst, Wissenschaft u. interaktive Technik und unser ganz individuelles Bewusstsein, gesteuert von Not u. Neugier, Emotion u. Ratio, sowie ganz klassisch unser Über-Ich (Gewissen u. „Gott“).

Es ist die Einstellung zu den Dingen,
die die Dinge verändert.

Ich war schon als Kind neugierig. Sei es als mich meine Mutter des Nachts aufweckte um mir Polarlichter zu zeigen, was in Süddeutschland wahrlich eine Seltenheit ist oder als ich aus der Schule ein Prisma mit nach Hause nahm, um mir immer wieder die Regenbogenfarben des Sonnenlichts in die Augen zu werfen. Sei sei, dass ich einmal eine komplette Packung Bittermandeln auf einen Satz gegessen habe, nur um zu schauen, was die darin enthaltene Blausäure mit meinem Magen macht, oder als ich mich dem Auto überschlug, und die Gelegenheit wahrnahm und mit Gott und dem Tode ein „Vier-Augen-Gespräch“ führte.

Letztendlich ist es doch so, dass all die zuvor aufgeführten Faktoren, die uns zweifelsohne in einer Höhle ohne Sonnenlicht einkerkern können, aber genau die gleichen Faktoren sind, die uns auch bei der Befreiung helfen können, so wie das Erdbeben, das Barabbas aus seinem Schlafzustand aufrüttelte und er den Weckruf verstand, um er sich aus der Höhle und seiner Gefangenschaft zu befreien.

Der Sozialisation – sei es der kosmischen, wie der individuellen – nicht alles zu opfern ist sinnvoll, dennoch sollten wir nicht erwarten, dass wir nach der Befreiung von den kosmischen wie soziologischen Fesseln jetzt plötzlich die ganze Wahrheit des Universums sehen können. Da hat sich seit Sokrates und Platon nichts geändert. Aber – und das ist das Positive – unser Horizont wird weiter und unser Bewusstsein wird durch den Prozess der Befreiung, die neuen Erfahrungen und Gedanken erweitert.

Die Menschheit hat davon profitiert, selbst in biblischem Sinne. Seitdem die Menschheit vom Baum der Erkenntnis gegessen hat wurde ein Prozess eingeleitet der uns nicht nur Gut und Böse unterscheiden lässt, sondern auch technischen Fortschritt beschert. Leider hat unser sozialer Fortschritt damit nicht mitgehalten, aber auch hier gilt es den Muff unter den Talaren abzulegen. Bietet dieser Fortschritt doch der Menschheit und jedem Individuum die Chance besser in Einklang mit der Natur und den Mitmenschen leben zu können. Das geht nicht mit Zwang, das geht mit intelligenter Innovation und einem erneuerten Bewusstsein, das sich der Fremd- wie der Selbsterkenntnis nicht verschließt. Mit Tarnen, Täuschen, Tricksen und Fremdsteuerung der Menschen wird dieser positive Prozess jedoch schlimme Rückschläge erleiden.

Das Zauberwort heißt: Kooperation

Also – Never give up! Wir bleiben dran.

Ernesto O.

PS: Die Welt ist ein großes Theater, aber wir dürfen unser persönliches Drehbuch selbst schreiben.

Die Schatten des Platon

Die Schatten des Platon
Siehst du die Schatten an der Wand?
Sie bringen dich um den Verstand.

Wer kennt es nicht, das Höhlengleichnis des Platon?

Philosophie ist, salopp gesagt, ein althergebrachter Versuch die Welt und die Existenz des Menschen zu beschreiben und zu erklären. Im Unterschied zu Religion und Naturwissenschaft bezieht die moderne Philosophie alle Aspekte des Lebens und der Natur in ganzheitlicher Weise in ihre Deutungsversuche mit ein. Das Höhlengleichnis des Sokrates ist zwar bereits mehr als 2500 Jahre alt, aber sein Schüler Platon hat es schon erfolgreich genutzt um die die Rolle des Menschen im Kosmos zu problematisieren.

„Stelle dir Menschen als Gefangene in einer Höhle vor, dort angekettet können sie nicht die Welt da draussen vor der Höhle sehen. Doch sie erkennen lange Schatten, die durch ein Feuer vor dem Ausgang der Höhle erzeugt werden und an der Wand herum geistern. Auch wenn das Feuer erloschen ist und die Sonnenstrahlen in die Höhle hinein strahlen, sie sehen immer nur Schatten an der Wand. Bald halten sie die Schatten für die wirkliche Welt da oben. Doch die Wahrheit über die wirkliche Welt kann nur draussen vor der Höhle wahrgenommen werden. So leben die Gefangenen in einer Welt des Scheins und die Einbildung tut ihr übriges. Bald glauben sie, dass die schemenhaften Abbildungen, die sie sehen, die ganze Wahrheit sind. Dabei ist die Wahrheit doch nur, dass sie Gefangene in einer Höhle sind.

Die „Realität“ der Schatten

Nun gibt es das Höhlengleichnis schon seit mehr als 2000 Jahren, doch merkwürdiger Weise wurde es bisher – meines Wissens – noch nicht verfilmt.

Wer sich in die Lebens- und Gedankenwelt eines Höhlensklaven besser versetzen möchte, dem kann der Historien-Spielfilm “Barabbas” weiterhelfen. Barabbas musste wegen seiner Verbrechen als Sklave in den römischen Schwefelminen schuften, ohne Hoffnung darauf jemals wieder ans Tageslicht zu gelangen. Der Staub und die Dunkelheit lassen ihn nahezu erblinden…

Barabbas – Salt Mines

Barabbas in den Schwefelminen

Meine Antwort auf das Höhlengleichnis jedoch lautet:

Jeder ist ein Opfer seiner Sozialistion,
aber wir müssen ihr nicht alles opfern.

Sorry, manchmal muss ich mich auch mal selbst zitieren,
aus: „Die kosmische Welle“ Ob das die Lösung ist? Nachdenken lohnt sich. (wird fortgesetzt)

Ernesto O.

P.S. hier der komplette Spielfilm „Barabbas“
https://youtu.be/Z_YN3JGWQHU