Neusprech in Babylon – Teil 1

Das neue Jahrtausend geht einher mit der Erfindung von Social-Media. Zugleich hat die Bombardierung mit neuen Wörtern seitdem massiv zugenommen. Es an der Zeit darüber aufzuklären, was all die zahlreichen Begriffe und Floskeln bedeuten und mit welcher Absicht sie in die Medien getragen werden. Passend zu Teil 1 der Neusprech-Reihe ist auch das Unwort des Jahres 2017 „Alternative Fakten“ mit dabei. Weitere Unwörter der vergangenen Jahre siehe hier in Wikipedia.  Dort gibt es auch das Wort des Jahres im deutschsprachigen Raum für Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz

Alternative Fakten: Aus dem eng.: alternative facts; Wortbedeutung und Verwendung des Begriffes: Bei alternativen Fakten handelt es sich um für den Versuch, einen verschleiernden und irreführenden Ausdruck für Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen.

Bildschirmbräune: Damit wird die Blässe von Computerfreaks beschrieben. Modewort der Jugendsprache

Bitcoin: Ausgehend vom Kofferwort „Bit“ (binary + digit), das mit „coin“ ergänzt wurde, entstand das Wort Bitcoin und wird gerne als „digitale Münze“ ins Deutsche übersetzt. Diese ist sachlich genauso falsch wie der Begriff Atom aus dem griechischen = unteilbar, der heute eigentlich diairetos = teilbar lauten müsste. In Wirklichkeit handelt es sich bei den Bitcoins um digital errechnete Datenpakete (Algorithmen). Ein Bitcoin wird man also niemals wie eine Münze in die Hand nehmen können.

cool: Altes Wort für geil, aus der Jugendsprache, allerdings wurde geil auch bereits vor cool schon verwendet. Beide Begriffe wollen ausdrücken, dass man etwas „sensationell“ findet.

Drecksloch-Länder (Shithole-Countries): Verwendeter Begriff, in einer allgemein als rassistisch verurteilten Äußerung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, in dem er Haiti, El Salvador und afrikanische Länder als Drecksloch-Länder bezeichnete. Von Trump später als Fake-News bestrittene Aussage. (zum Begriff Fake-News, siehe dort.)

Guttenbergen: Seit dem Skandal um Herrn von Guttenberg ist dies da neue Wort für Abschreiben. Modewort der Jugendsprache

Populismus: Der Begriff ist wieder en vogue in Politik und Gesellschaft. Populisten gibt es danach in der Türkei, den USA, aber auch in der EU, Ungarn, Frankreich und neuerdings auch wieder in Deutschland und Österreich. Aus dem lateinischen: „populus“ heißt auf Deutsch „Volk“. Im Duden ist der Begriff als opportunistische Politik erklärt, die „die Gunst der Massen zu gewinnen sucht“. „Populist“ wird auch als Schimpfwort verwendet.

Populismus a) Stil: Methode sich bei Bevölkerungsgruppen beliebt zu machen, indem man ihnen „nach dem Maul redet“. (= „einschleimen“ – aus der Jugendsprache)

Populismus b) Strategie: Versuch der Manipulation des „Mainstreams“ und politische Macht zu gewinnen.

Populismus c) Ideologie: Ideen und Leitbilder, die sich des Populismus bedienen, um planhaft und mit Hilfe von Medien und machtpolitischen Instrumenten (z.B. Nazis: Gleichschaltung) Machtverhältnisse zu ändern oder bestehende Machtverhältnisse zu zementieren.

Populismus – Stil – Strategie – Ideologie: Näheres in einem Interview: „Wenn einer weiss was gut für alle ist“ – Salzburger Nachrichten mit Prof. Heimisch

Superfood: Bezeichnung aus der Werbung; für Nahrungsmittel die besondere Gesundheit versprechen sollen. Tatsächlich haben als Superfood bezeichnete Lebensmittel – häufig exotischen Ursprung – gesundheitliche Wirkungen, diese müssen aber nicht zwangsläufig traditionellen Lebensmitteln überlegen sein. Allgemein hilft es bei der Bewertung des sogenannten „Superfood“ sich über die Wirkstoffe und ihren Gehalt an Wirkstoffen sachkundig zu machen und diese mit der Zusammensetzung bekannter Nahrungsmittel zu vergleichen. Dies hilft Kosten zu sparen und dient zugleich der Ökologie.

Unterhopft sein: Bedeutet Lust auf ein Bier zu haben. Modewort der Jugendsprache. Im Bier befinden sich in der Regel Hopfenbitterstoffe mit unterschiedlichen Gesundheit fördernden Wirkungen (sedierend, antibiotisch und estrogene), weshalb Hopfen bisweilen als Superfood (siehe dort) bezeichnet wird.

Neue Worte und Wortschöpfungen haben meistens einsehbare Gründe wie technischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt. Verständlich auch, dass Jugendliche und Hobbyisten sich durch neue Modeworte und sprachliche Fachsimpeleien vom Rest der Gesellschaft abgrenzen wollen. Interessant und gefährlich wird es jedoch dort, wo Politik und Lobbyismus dem Sinn von Worten 180 Grad-Wendungen verpassen, um die Meinung der Menschen heimlich zu manipulieren oder mit offener Propaganda die Bürger ideologisch zu indoktrinieren. Der Begriff Neusprech taucht erstmals 1948 in George Orwells Roman 1984 auf.

Serie wird fortgesetzt.

Ernesto O.